Sie befinden sich hierArchive - Mai 2011
Archive - Mai 2011
Mai 29th
Gewogen und zu schwer befunden — Leserbeiträge
29. Mai 2011
Die Geiernotiz »Gewogen und zu schwer befunden« vom 15. Mai hat ein überdurchschnittliches Leserecho hervorgerufen.* Und es war durchaus nicht so, daß nun hier übergewichtige Leser die Türen zugeknallt und in Scharen davongelaufen wären, vielmehr war der Mai bis heute mit durchschnittlich 532 Besuchern am Tag, die sich mit 1.403 Seiten täglich im Schnitt also jeweils zwei bis drei Artikel angesehen haben, sogar der bisher besucherstärkste Monat.
Auf die Lesermeldungen, die übrigens allesamt constructiv waren, gehe ich gern ein.
Ein Ernährungsberater hat aufgrund des Artikels angerufen und erwähnt, daß gerade viele Christen jegliche Vernunft in Ernährungsfragen ablehnen mit dem Hinweis darauf, »daß Gott sie ja so gemacht habe«. Wie absurd und gefährlich dieses Scheinargument ist, hatte ich ja schon hier erklärt. Da wirken sich wohl auch einmal mehr diese vielen psychologiebasierenden Selbstliebe- und Selbstannahme-Predigten aus, die trefflich geeignet sind, Menschen in Verfehlung verharren zu lassen. Dieselben Christen, wenn sie dann aufgrund ihrer Überernährung krank werden, lassen dann aber das Argument, daß Gott sie eben so gemacht habe, auf einmal nicht mehr gelten, sondern erwarten selbstverständlich Beistand von Ärzten und Krankenkassen.
Ein anderer Leser merkt an:
Mai 24th
Citat des Tages XXXVI
24. Mai 2011
In unserer Generation haben wir die Definitionen von Arroganz und Demut umgekehrt. Es ist fast wie bei einem Photo-Negativ. Wenn zum Beispiel … ein Pastor einer Mega-Kirche vor ein paar Leuten steht, und er schmeichelt und bettelt und redet volle zwanzig Minuten über sich selbst — ich habe dies getan und jenes herausgefunden und meine Frau und ich haben das gemacht — und einfach zwanzig Minuten lang über sich selbst redet, werden alle danach denken: Was für ein offenherziger Mann, was für ein demütiger Mensch.
Aber warum denken sie, daß er so demütig ist? Weil er die ganze Zeit über sich selbst geredet hat. Wenn jetzt ein anderer Mann, eine Art John Knox … aufstünde und sagte: »So spricht der Herr, der Allmächtige, der Herr der Heerscharen …« und dann das Wort Gottes verkündigen würde, und dann eine Botschaft predigt, die auch dann wahr wäre, wenn er, der Prediger, nie geboren worden wäre; seine Existenz, seine Hoffnungen, Gefühle und Absichten sind völlig unerheblich für die Botschaft, die er verkündigt, denn diese kommt direkt aus dem [biblischen] Text, dann würde jeder sagen: Was für ein arroganter Mann! Denn er hat sich nicht ein einziges mal auf sich selbst bezogen. Alles, was er gemacht hat, ist über Gott zu reden, alles, was er gemacht hat, ist über die Bibel zu reden und über die Autorität der Bibel.
Mai 22nd
Geierismen IV: Über Grenzen
22. Mai 2011
Die Forderung nach einem Nahen Osten in den Grenzen von Anfang 1967 hat nicht mehr Berechtigung, als heute eine Forderung nach einem Mitteleuropa in den Grenzen von 1937 hätte.
Mai 19th
Kleine Zeitungsschau IV: Der ganz alltägliche Wahnsinn
19. Mai 2011
Deutschland hat achthundert weibliche Gleichstellungsbeauftragte — und zwei männliche. Daß Frauenquoten gefordert (und auch durchgesetzt) werden für politische Ämter, Vorstandsposten und dergleichen, aber nicht für die Arbeit bei der Müllabfuhr, beim Minenräumen oder im Salzbergwerk, scheint allgemein gesellschaftlich akzeptiert zu sein, so sehr, daß sich nicht einmal jemand die Mühe machen muß, dafür irgendwelche fadenscheinigen Begründungen zu erfinden. Man geht einfach darüber hinweg, ohne solche Fragen auch nur zu formulieren. Wie ernst es der deutschen Gleichstellungsindustrie um tatsächliche Gleichstellung sein kann, wenn vierhundert mal mehr weibliche als männliche Gleichstellungsbeauftragte unterwegs sind, scheint erst recht keines Beweises zu bedürfen. Die Stadt Goslar hat ihn trotzdem geliefert: Gestern hat der Stadtrat auf Antrag der Genossen von der SED die Gleichstellungsbeauftragte Monika Ebeling gefeuert, weil sie ihren Job ernstgenommen und tatsächlich Gleichstellungspolitik statt Radikalfeminismus getrieben hat. Über die Gründe, die zum Bruch geführt haben, sagt sie zum Beispiel:
Mai 15th
Gewogen und zu schwer befunden …

15. Mai 2011
Schon vor längerer Zeit hatte ein Schweizer Leser angefragt, ob es denn christusgemäß sei, Übergewicht zu unterhalten. Inzwischen hatte ich auch eine Materialsammlung zum Thema angelegt, diese Woche bin ich dann wieder auf das Thema gestoßen worden, da sich nun »idea Spektrum« der Sache angenommen hat; leider erschöpft sich der idea-Artikel »Gefährliches Schlaraffenland« zum größten Teil im körperlichen Aspekt des Themas, widmet dem seelischen Teil einen Absatz und dem geistlichen gerade noch kurze Erwähnung. Schade. Denn gerade die biblische Sicht auf den »Selbstmord mit Messer und Gabel« birgt beachtlichen Sprengstoff. Ein commerzielles Produkt wie »idea Spektrum« muß hier aber wohl Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Abonnenten nehmen und wird deswegen nicht zu deutlich über persönlich zurechenbare Schuld schreiben. Schließlich gibt es unter Christen nicht weniger Dicke als unter Nichtchristen.
Mai 8th
So schön wie alle Tage Krieg
8. Mai 2011
Im »Märkischen Stadt- und Landboten« vom 22. / 23. Juni 1940 schreibt Franz Rosenow:
»Jeden Morgen, wenn sich der Strom der arbeitenden Volksgenossen durch die Straßen von Eberswalde nach dem Westen ergießt, wo unsere heimische Industrie zu Hause ist, ertönen zwischen den wuchtigen und bedächtigen Schritten der Männer die leichteren vieler Frauen und Mädchen. Sie nahmen die in den Fabriken und Werken freigewordenen Arbeitsplätze der Männer ein, die mit der Waffe in der Hand im Westen marschieren und für des Volkes und Reiches Sicherheit kämpfen und unvergänglichen Ruhm erwerben. Die Straßenbahn nimmt auf ihrer Fahrt von der Saarstraße nach dem Kleinbahnhof an jeder Haltestelle neue Fahrgäste auf, unter denen sich immer Frauen und Mädchen befinden. Andere wieder suchen mit dem Fahrrad oder mit dem Stadtomnibus ihre Arbeitsstätte zu erreichen.
Die Frauen, die daheim kleine Kinder haben, können mit wesentlich größerer Ruhe ihren täglichen Weg zu ihrer Arbeitsstätte antreten, als die Frauen, die im [Ersten] Weltkrieg in unseren Fabriken wirkten. Heute nehmen die Nachbarnhilfe der NSV. [National-Sozialistische Volkswohlfahrt] oder der Kindergarten dieser Einrichtung der arbeitenden Kameradin einen Teil ihrer Sorge ab. Die schaffende Frau weiß, daß ihr Kind in guter Hut ist und kann sich deshalb mit allen Gedanken auf ihre Arbeit konzentrieren.«
Die damalige außerhäusliche Kinderbetreuung war aus der Not des Krieges geboren, die freilich auch hausgemacht war: Zunächst greift sich der Staat die Männer für den Krieg, damit aber dadurch die industrielle Produktion nicht zum Erliegen kommt, werden die (durch Absenz der Männer ohnehin ihres Schutzes beraubten) Frauen gleich mit vergesellschaftet. Ausdrücklich mit dem Zweck erschaffen, ihren eigenen Männern Hilfe und Gegenüber zu sein (1. M. 2, 18), werden sie stattdessen Helfer und Gesellschafter von Fremden (was, nebenbei bemerkt, strenggenommen eine Form von Ehebruch ist). Mittel der Wahl, um dies zu erreichen, sind wirtschaftlicher Druck und soziale Manipulation. Aus der Vergesellschaftung der Frau folgt notwendig die Vergesellschaftung der Kinder. Deren Betreuung wird der Familie »abgenommen«; da es aber keine Betreuung ohne Erziehung geben kann, wird hierdurch das Erziehungsrecht der Eltern auf staatliche bzw. staatsnahe Organisationen verlagert. Was wir hier im Exempel sehen, ist die vollständige Verstaatlichung des Menschen, das Ende des freien Bürgertums.
Mai 4th
Citat des Tages XXXV
4. Mai 2011
In den letzten beiden Jahren sind einige der renommiertesten Finanzinstitute hoffnungslos untergegangen. Menschen, denen man in der großen Welt der Finanzen Vertrauen schenkte und an deren Charakter niemand zweifelte und nicht einmal der Schatten eines Zweifels aufkam, erwiesen sich als unehrlich und ohne Prinzipientreue.
Das feurige Gericht war zu viel für das Holz, Heu und Stroh so mancher gigantischer Unternehmen. Finanzhäuser, die scheinbar auf einem Felsen gegründet waren … sind bis in ihre Grundfeste erschüttert worden. Überall begegnen uns die Trümmer großer Namen und unermeßlicher Reichtümer. In den Palästen des Schwindels hört man Wehklagen, und Verwüstung hat die Hallen der Täuschung erreicht. Seifenblasen platzen, Schwätzer verstummen, die Farbe löst sich von der Wand, die Vergoldung blättert ab.
Wir haben in den Zeitungen Monat für Monat neue Enthüllungen über die Finanzgeschäfte gelesen, die in diesem Zeitalter der Schurkerei üblich geworden sind, um andere auf respektable Weise zu berauben und aus Betrug einen Gewinn zu machen. Wir waren überrascht und verblüfft über die üblen Tricks und schamlosen Praktiken … Und doch wurden die gigantischen Betrügereien gerechtfertigt, und wir sollten glauben, daß die Schuldigen von sich annahmen, daß sie nicht unehrenhaft handelten …
Mai 3rd
Fremde Federn: »Immer schneller, immer dümmer«
3. Mai 2011
Der folgende Text von Thomas Lachenmaier wurde zuvor in der Schweizer factum 1 / 2011 gedruckt. Hier erscheint er mit freundlicher Genehmigung des Autors:
Digitale Medien verführen zu einer Verwahrlosung der Sprache. Das ist kein harmloser Vorgang, sondern hat auch eine geistliche Bedeutung.
Immer mehr Menschen gehen dazu über, ihre E-Mails «einfach so» zu schreiben: Sie bemühen sich nicht länger, Tippfehler, Buchstabendreher, falsche Schreibweisen und Grammatik zu vermeiden. Das Geschriebene hat keine Struktur, keinen Aufbau. Die Anrede ist beliebig oder fehlt gleich ganz. Alles ist durcheinandergeworfen, weil Gross- und Kleinschreibung, Grammatik und Orthografie keine Rolle spielen.







