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Wirtschaft
Der Geier erinnert (II)
14. Juli 2009
Heute war Steuerzahlergedenktag.
Vom Jahresbeginn bis heute 8.42 Uhr hat der Durchschnittsdeutsche für den Fiskus gearbeitet, jetzt darf er bis zum Jahresende für den eigenen Unterhalt und den seiner Familie arbeiten. Dem Steuerzahlergedenktag liegen Berechnungen des Bundes der Steuerzahler zugrunde, die von einer Abgabenbelastung von durchschnittlich 53,3 Prozent (Steuern plus Sozialabgaben) ausgehen. Im Vorjahr lag der Steuerzahlergedenktag mit dem 8. Juli noch sechs Tage früher.
Bei der Einführung der Einkommenssteuer in Großbritannien soll die Queen sich noch darüber Gedanken gemacht haben, ob man mit 5% nicht die Grenze des Zumutbaren überschritten habe.
Starker Tobak
7. Juli 2009
EU subventioniert Massen(selbst)mord. Noch.
Ehrlich: Ich wollte heute nicht schon wieder was politisches schreiben, aber gerade lese ich, daß die EU-Agrarsubventionen für den Tabakanbau im nächsten Jahr auslaufen sollen. Das könnte das Ende für den Tabakanbau in Brandenburg bedeuten, also in einer Gegend, wo der originär subtropische Tabak nun einmal nicht so heimisch ist, daß es ihm einfallen würde, subventionslos besondere Wachstumsanstrengungen zu unternehmen. Mein Mitleid mit den Tabakbauern hält sich freilich in Grenzen. Wer vom Elend anderer Menschen lebt, sollte sich durchaus nach einem anderen Broterwerb umsehen — da kann auch die Strukturschwäche der Region nicht viel entschuldigen.
Eine Chronologie
24. Juni 2009
»Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten«
Walter Ulbricht, Juni 1961
dazwischen: Bundestagswahl September 2005
»No food shall be grown, that we don’t own.«
18. Juni 2009
Die Kontrolle der Welternährung
Am 25. Januar hatte ich geschrieben:
»… Überhaupt neigt die Industrie seit einigen Jahren dazu, lieber Nutzungsrechte zu überlassen als Waren zu verkaufen. Bei Software ist man schon gewohnt, nicht das Produkt, sondern nur eine Nutzungslizenz zu erwerben. Jetzt kommt die Hardware: So werden gewerbliche Großkopierer schon sehr häufig nicht gekauft, sondern gegen ›Klick-Preis‹ überlassen, d. h., der Kunde zahlt einen monatlichen Grundbetrag und einen zusätzlichen Preis je Kopie. Für den Anbieter hat das große Vorteile, er hat den Kunden ständig an der Leine. Der Kunde wird damit geködert, daß er eine gut planbare monatliche Belastung habe, aber natürlich zahlt er insgesamt normalerweise mehr, als wenn er das Gerät einfach kaufen würde.
Arbeit? Wie uncool!
13. Juni 2009
Arbeitsfrei und reich dabei — das »Bedingungslose Grundeinkommen«
»Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst des Kommunismus.« Zumindest, wer in der DDR in die Schule gegangen ist, weiß, daß dieser Satz den Auftakt zu Karl Marx’ »Manifest der Kommunistischen Partei« markiert. Weniger bekannt ist, daß dieses totgeglaubte Gespenst gerade unter neuem Namen reanimiert wird, und zwar unter der Bezeichnung »Bedingungsloses Grundeinkommen«. Die Idee bestaht darin, jedem Bürger ein Grundgehalt zu zahlen, das völlig unabhängig ist von jeglicher Gegenleistung. Diskutiert werden derzeit 1.500 Euro, für Kinder etwas weniger. Zum Beispiel ich käme so auf ein phantastisches Einkommen, das ich mit Arbeit nie erzielen kann und es könnte endlich zweimal täglich neue Geiernotizen geben.
Systemrelevanz
7. Juni 2009
Warum Arcandor besser untergehen sollte
Keine Systemrelevanz: Karl Beyers Kolonialwarenladen wurde nicht mit Steuergeldern gerettet.
Wenn heute Großunternehmen Staatshilfen zu ihrer Sanierung fordern (ganz recht, man bittet nicht, man fordert das Geld anderer Leute), dann ist eines der wichtigsten Argumente, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, die tatsächliche oder behauptete Systemrelevanz.
Kein Aprilscherz, leider …
2. April 2009
… aber eine Gute-Nacht-Geschichte.
Erstmals seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen 1928 ist die Arbeitslosigkeit in einem März im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Normalerweise belebt sich der Arbeitsmarkt ja im Frühjahr. Daß dies nun erstmals nicht so ist, ist eines der (nicht mehr ganz so kleinen) Signale, daß es die Krise ernstzumeinen scheint. Gleichzeitig lag der Auftragseingang im deutschen Maschinenbau im Februar 49% unter dem des Vorjahres.
Schrottpolitik
25. Januar 2009
Der Reiche herrscht über den Armen, und der Borgende ist ein Knecht des Leihenden. (Spr. 22, 7)
Jetzt ist sie da, die Abwrackprämie für alte Autos, die die deutsche Konjunktur retten soll. Zweitausendfünfhundert Euro erhält, wer einen Neu- oder Jahreswagen kauft oder least, wenn er sein mindestens neun Jahre altes Altfahrzeug, das mindestens ein Jahr auf ihn zugelassen war, verschrottet. Freilich stellt sich die Frage, ob Menschen, die ein mehr als neun Jahre altes Auto fahren, überhaupt einen neuen Wagen bezahlen können. »Das müssen sie ja gar nicht«, sagt ein Autohändler lt. F.A.Z., »Sie müssen ihn nur finanzieren können. Der Kunde mache nur eine Anzahlung von 1000 Euro. Der Rest werde mit erschwinglichen Leasingraten abbezahlt.«


