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Erfundene Realitäten

22. Januar 2012

 

Vor knapp drei Jahren hatte ich auf das als »Pallywood« bekannte Phänomen hingewiesen, das darin besteht, erfundene und dramaturgisch inscenierte Filmbeiträge der Öffentlichkeit als Dokumentationen zu verkaufen.

In Deutschland scheint das undenkbar, daß es aber auch hier mit der journalistischen Sorgfalt nicht zum besten steht, zeigt Sebastan Heiser mit einer aufwendigen Recherche für die »tageszeitung«: Bei einem knappen Dutzend Zeitungen hat er versucht, mit bezahlten Anzeigen Einfluß auf redaktionelle Inhalte zu nehmen — mit unterschiedlichem, aber insgesamt doch sehr beeindruckendem Erfolg.

Auch im Fernsehen verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion zunehmend: Ende letzten Jahres wurde bekannt, daß gemäß einer Studie der »Gesellschaft zur Förderung des internationalen Jugend- und Bildungsfernsehens« etwa drei Viertel der jugendlichen Zuschauer die sogenannten »Scripted-Reality-Shows« mehr oder weniger für bare Münze nehmen, das sind Sendungen, die zwar wie Dokumentationen aussehen, in denen aber tatsächlich frei erfundene Handlungen nach Drehbuch ablaufen. Nach einer Forsa-Umfrage sind dies zwar nur 18%, immerhin gaben dort aber 60% der befragten Jugendlichen an, daß es ihnen überhaupt gleichgültig sei, ob das Gesehene real oder fiktiv sei.

Kleine Zeitungsschau VI

10. Januar 2012

 

Warum es hier neben strikt geistlichen Themen auch Kommentare zum Zeitgeschehen gibt? In Lukas 13, 1 — 5 lernen wir, daß auch Jesus das aktuelle Tagesgeschehen geistlich erklärt und ausgewertet hat. Offensichtlich war er bestens informiert, sonst hätte er, auf die Galiläer und den römischen Gouverneur angesprochen, das vergleichende Beispiel mit dem Turm vom Siloam gar nicht anbringen können.


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Der Bundesrepublik ist es gestern erstmals in ihrer Geschichte gelungen, Geld zu negativen Zinsen zu leihen. Bei der Versteigerung der Wertpapiere im Wert von fast vier Milliarden Euro mit einer Laufzeit von sechs Monaten fiel der Zins auf minus 0,0122 Prozent. Das heißt, die Anleger zahlen der Finanzagentur des Bundes noch Geld dafür, daß sie Deutschland Geld leihen dürfen, sie legen auf den Kredit noch eine Prämie drauf, sozusagen eine »Aufbewahrungsgebühr« für ihr Geld. Es handelt sich hier um institutionelle Anleger — Banken, Investoren, Fonds — die ja eigentlich mit dem Geld ihrer Kunden Gewinne erwirtschaften müßten.

Gewaltlosigkeit oder Gewaltmonopol?

24. Dezember 2011

 

Zeitgleich mit der Strafanzeige von Miriam Staudte, der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen im niedersächsischen Landtag, gegen Wilfried Plock, den Vorsitzenden der »Konferenz für Gemeindegründung«, und mehrere Verlage, weil diese in Vorträgen bzw. durch Veröffentlichung von Erziehungsratgebern körperliche Züchtigung als Erziehungsmittel propagiert und damit zu Straftaten aufgerufen haben sollen, ist auch eine begleitende Mediencampagne im NDR angelaufen.

In der NDR-Reportage wird wiederholt eine schemenhafte Sequenz eingeblendet, in der ein Mann mit einem gigantischen Prügelwerkzeug, doppelt so groß wie ein Baseballschläger, auf einen verschüchterten Knaben losgeht; ein rationaler Bezug zum redaktionellen Inhalt besteht nicht, es geht allein um Stimmungsmache. Je nach Mentalität kann man den Film in dieser Form mit sehr viel Nachsicht als propagandistische Entgleisung, mit leichter Milde als demagogisches Machwerk oder mit strenger Sachlichkeit als üble Hetze ansehen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Aussage, die Andrea Buskotte von der »Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen« in dem Film macht:

Citat des Tages XLI

7. September 2011

 

 »Das C in der CDU steht nur noch für Cervelatwurst«

 

Heather De Lisle, Journalistin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dr. H. Hinsch · »Das Märchen von der Asse«

6. August 2011

 

Dr. Hermann Hinsch

»Das Märchen von der Asse«

 

gebunden,112 Seiten

Verlag: Books on Demand

ISBN 10: 3837099776

ISBN 13: 978-3837099775

€18,90

 

 

Haben Sie gewußt, daß gewöhnliches Kochsalz, wenn es heute jemand in Deutschland als Lebensmittelzusatz genehmigen lassen wollte, nach dem Buchstaben von Gesetz und Verordnung nicht genehmigungsfähig wäre — obwohl es unser Organismus zum Leben braucht?

Wer Spaß hat an solch kuriosen Gedankengängen und sich einen vergnüglichen Lesenachmittag (oder deren zwei) machen möchte, dabei aber durchaus auch etwas dazulernen will, der ist mit Dr. Hermann Hinschs schlankem Hundertseiter »Das Märchen von der Asse« wahrscheinlich ganz gut beraten. Und lernen kann man bei der Lektüre eine Menge: Über Physik, Chemie, Nucleartechnik, Statistik — vor allem aber über die Meinungsbildungsprozesse in unserer Gesellschaft.

Kurz / Rieger · »Die Datenfresser« [mit umfangreicher Linksammlung zum Thema »Datenschutz«]

18. Juli 2011

 

Constanze Kurz / Frank Rieger

Die Datenfresser

Wie Internetfirmen und Staat sich unsere persönlichen Daten einverleiben und wie wir die Kontrolle darüber zurückerlangen

 

broschiert, 272 Seiten

S. Fischer Verlag, Frankfurt

ISBN-10: 9783100485182

ISBN-13: 978-3100485182

€ 16,95

 

»Opfer einer Ideologie«: Einsatz von Frauen in Kampfeinheiten

14. Juli 2011

 

In der Zeitschrift »Marineforum« 7/8 2011 ist ein Artikel von Dr. Erik Lehnert zum Thema »Gleichstellung um jeden Preis? — Einsatz von Frauen in Kampfeinheiten« erschienen, der ein controverses, in weiten Teilen polemisches Presseecho ausgelöst hat. So wurde dem Autor zum Beispiel vorgeworfen, er verunglimpfe in seinem Artikel die auf dem Segelschulschiff »Gorch Fock« tödlich verunglückte Soldatin. Dies ist weit von der Wahrheit entfernt. Offensichtlich wird hier einmal wieder gemäß dem Ossietzky-Aphorismus verfahren, demzufolge in Deutschland derjenige als viel gefährlicher gilt, der auf den Schmutz hinweist, als der, der ihn gemacht hat. In einen Diskurs, der weitgehend von ideologischen Begriffen bestimmt ist, hat Lehnert Sachargumente eingebracht. Allein das scheint für viele Kommentatoren schon ein unverzeihlicher Vorgang zu sein. Gerade daß der Text ein wertvoller Beitrag zur Versachlichung der Gender-Debatte sein könnte, ist der Grund, weshalb Text und Autor in dieser Weise angefeindet werden. Eine sachgerechte, ideologiefreie Debatte zum Verhältnis der Geschlechter ist derzeit in Deutschland weitgehend unerwünscht.  

Dr. Lehnert erklärt die physiologischen und soziologischen Besonderheiten, die den Einsatz von Frauen in Kampfeinsätzen verbieten sollten und beschreibt die politischen Schritte, die zur Abschaffung des ursprünglich grundgesetzlich verbrieften Schutzes der Frauen vor Kampfeinsätzen geführt haben. 

So lesen wir z. B.:

Bemerkungen zum »Tag der Organspende«

5. Juni 2011

 

David Noll beschreibt anläßlich des gestrigen »Tages der Organspende« in der F.A.Z. den aktuellen Stand der Diskussion zu Hirntod und Organspende, die hier schon in dem Artikel »Volkseigene Ersatzteilspender« angerissen wurde.

Daraus einige bemerkenswerte Citate:

 

 Im schlimmsten Fall hat Manzei hirntote Patienten für die Organspende vorbereitet – eine für sie unerträgliche Erfahrung. »Der Patient geht als Mensch in den OP und kommt als Leiche wieder heraus. Das ist nur ganz schwer zu verarbeiten.«

»Für den Patienten und das medizinische und pflegende Personal verändert sich durch die Diagnose Hirntod eigentlich nichts.« Der nunmehr Hirntote wird weiterhin beatmet, der Brustkorb hebt und senkt sich, der Körper bleibt warm. Das Personal wäscht den Patienten, entsorgt die Exkremente, die nach wie vor ausgeschieden werden. Die Wissenschaft hat sogar Fälle dokumentiert, in denen hirntote Schwangere gesunde Babys ausgetragen haben. Manzei bezeichnet den Hirntod deshalb lediglich als »rechtlichen Switch«: Der Patient werde nicht mehr für sich, sondern für den Organempfänger gepflegt und behandelt.

Inflation

1. Juni 2011

 

Folgende Produkte haben sich in Deutschland im April 2011 im Vergleich zum Vorjahresmonat am auffälligsten verteuert: 

 

Weißkohl: 33,1 Prozent

Butter: 28,7 Prozent

Leichtes Heizöl: 26,7 Prozent

Kartoffeln: 20,4 Prozent

Bohnenkaffee: 17,8 Prozent

Diesel (Cetanzahl unter 60): 17,8 Prozent

Pflanzenöl (kein Olivenöl): 17,6 Prozent

Pommes frites: 17,2 Prozent

Orangensaft oder ähnlicher Fruchtsaft: 13,8 Prozent

Flugtickets: 13,8 Prozent

 

Die gesamte Inflationsrate wird aber mit 2,4% angegeben.

 

Quelle: Statistisches Bundesamt

 

 

 

 

 

 

 

Kleine Zeitungsschau IV: Der ganz alltägliche Wahnsinn

19. Mai 2011

 

Deutschland hat achthundert weibliche Gleichstellungsbeauftragte — und zwei männliche. Daß Frauenquoten gefordert (und auch durchgesetzt) werden für politische Ämter, Vorstandsposten und dergleichen, aber nicht für die Arbeit bei der Müllabfuhr, beim Minenräumen oder im Salzbergwerk, scheint allgemein gesellschaftlich akzeptiert zu sein, so sehr, daß sich nicht einmal jemand die Mühe machen muß, dafür irgendwelche fadenscheinigen Begründungen zu erfinden. Man geht einfach darüber hinweg, ohne solche Fragen auch nur zu formulieren. Wie ernst es der deutschen Gleichstellungsindustrie um tatsächliche Gleichstellung sein kann, wenn vierhundert mal mehr weibliche als männliche Gleichstellungsbeauftragte unterwegs sind, scheint erst recht keines Beweises zu bedürfen. Die Stadt Goslar hat ihn trotzdem geliefert: Gestern hat der Stadtrat auf Antrag der Genossen von der SED die Gleichstellungsbeauftragte Monika Ebeling gefeuert, weil sie ihren Job ernstgenommen und tatsächlich Gleichstellungspolitik statt Radikalfeminismus getrieben hat. Über die Gründe, die zum Bruch geführt haben, sagt sie zum Beispiel:

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