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Katholizismus, Sonstige, Protestantismus, Freikirchen


Geschichten, die das Leben schreibt: An der Straße

22. August 2010

 

Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab gen Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und gingen davon und ließen ihn halbtot liegen. Es begab sich aber ungefähr, daß ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und da er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit; da er kam zu der Stätte und sah ihn, ging er vorüber. … Und eine Gruppe Ältester einer hier nicht weiter genannt sein wollenden Freikirche kam vorüber mit ihren Mietlingen* (denn sie waren eine große und vor allem angesehene Freikirche und konnten sich mehrere Mietlinge halten) und da sie den Mann in seinem Blute liegen sahen, besprachen sie sich untereinander:

Problem wegübersetzt

15. August 2010

 

 

 

 

 

 

 

 


»Denn nicht sind wir wie die vielen, die das Wort des Gottes verschachern …«

2. Kor. 2, 17

Dieser Vers muß wohl für etliche wohlbestallte Theologen, die ihn übersetzt haben, eine unerträgliche Provokation dargestellt haben. So ist er denn in sehr vielen Übersetzungen sinnentstellend wiedergegeben worden. Die vielgelesenen Übersetzungen von Luther, Schlachter und die Alte Elberfelder schreiben hier statt »verschachern« einfach »verfälschen«. Auch die Zürcher schreibt »verfälscht darbieten«. Damit ist dem Text erst einmal die Spitze genommen: Zu denen, die das Wort nicht verfälschen, rechnet sich zumeist jeder selbst gern. Daß viele damit Handel treiben, ist aber so offensichtlich, daß es nicht so leicht geleugnet werden kann. Menge übersetzt etwas unscharf »mit dem Wort Gottes hausieren gehen«, was der Sache schon näherkommt, im Deutschen jedoch etwas mißverständlich ist, da bei »hausieren gehen« der Aspekt der Aufdringlichkeit herausgestellt wird, weniger der des Handeltreibens. Um genau diesen geht es aber bei dem hellenischen Grundtextwort καπηλεύω, das Krämerei und Schacher beschreibt.

Der große Selbstbetrug

28. Juli 2010

 

Über Liebe, Gesetz, Gnade, Glaube, Treue und Werke

 

Protestanten denken mitunter mit etwas Häme an das katholische Beichtsystem, das von etlichen Katholiken derart verstanden wird, daß sie »fröhlich sündigen« könnten, dies anschließend beichten und hernach munter weitermachen wie zuvor. Dies ist natürlich eine absurde Haltung, weil die Voraussetzung für eine gültige Vergebung ein Sinneswandel ist, und der erfordert natürlich ein bewußtes, zielgerichtetes Aufgeben der Verfehlung.

Grund zur Häme haben die Protstanten trotzdem nicht, denn das Rechtfertigungssystem, das sie stattdessen errichtet haben, ist in seinen geistlichen Auswirkungen kaum besser. Überspitzt gesagt, ist an die Stelle der regelmäßigen Beichte die einmalige Bekehrung (wenn nicht gar, wie bei einigen Kirchen, die Säuglings»taufe«) getreten: Wer irgendwann ein »Übergabegebet« gesprochen hat (oder eben als Säugling besprengt wurde) und fürderhin unauffällig irgendwelche Gemeindeversammlungen besucht, gilt als gerettet. Wenn es gewisse Fortschritte in seiner Lebensführung gibt, wird dies sicher begrüßt; konkrete Forderungen werden jedoch in der Regel nicht gestellt, um den Vorwurf der Gesetzlichkeit zu vermeiden.

Kastraten

10. Juli 2010

 

Das (frei)kirchliche Missionsmodell macht den Nichtkleriker zu einem »Einlader«. Wohl soll er Freunde und Collegen durchaus in die Versammlungen mitbringen, wo sie dann jedoch von professionellen Predigern — am besten bei speziellen »Gästegottesdiensten« — »evangelisiert« werden sollen. Dem einzelnen Christen wird jedoch grundsätzlich nicht zugetraut, den Ratschluß Gottes selbst Außenstehenden nahezubringen. Und tatsächlich: Er kann es regelmäßig wirklich nicht. Denn in den Versammlungen wird er nicht darin eingeübt, das Wort Gottes zu verkündigen. Da er dort nur als passiver Zuhörer zugelassen wird, ist er »draußen«, in der Welt, erst recht passiv.

Die »Zuhörergottesdienste«, die eine Versammlung in wenige Aktive und eine Mehrheit der Passiven unterteilen, bewirken also vor allem, daß sie diejenigen, die darin sitzen, »kastrieren«, also geistlich unfruchtbar machen, ihnen abgewöhnen, geistlichen Samen — das Wort Gottes — zu »produzieren« und weiterzugeben. Die Hammel in Gottes Herde, die eigentlich Nachwuchs zeugen sollten, werden solcherweise zu Schöpsen*.

Meinungsfreiheit? Kommt ganz drauf an für wen.

24. Juni 2010

 

Das waren noch Zeiten: Im Oktober 1879 beschwert sich die deutsche Sozialdemokratie noch bitterlich über das seit einem Jahr gültige als »Sozialistengesetz« bekannte »Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie«, das durch seine Einschränkung der Pressefreiheit »die sozialistische Presse in Deutschland unterdrückt und der Partei innerhalb der Reichsgrenzen jede Gelegenheit zur öffentlichen Äußerung abgeschnitten worden ist«. Deshalb mußte die Zeitung »Der Sozialdemokrat«, die diese Klage führt, auch in Zürich erscheinen. Nun wissen wir ja schon aus der späteren Geschichte, daß Sozialisten nur solange für die Pressefreiheit kämpfen, bis sie selbst an der Macht sind. Trotzdem scheint gelegentlich der Eindruck zu entstehen, daß die SPD heutzutage so gezähmt und geläutert sei, daß sie nicht nur sich selbst, sondern auch Andersdenkenden das Recht auf freie Meinungsäußerung zugestehen würde. Dieser Eindruck kann aber durchaus täuschen. Denn wenn es darauf ankommt, benutzt die SPD — ebenso wie weiland Otto von Bismarck mit dem Sozialistengesetz — auch schon mal das Strafrecht, um unliebsame Meinungen zu unterdrücken. Meinungsfreiheit? Ja schon, aber doch nicht für andere Meinungen!

Die Milz im Safe des Erzbischofs — Organklau einmal anders

12. Juni 2010

 

Nun liegt es mir normalerweis ja fern, Aufklärer wie Lichtenberg zu citieren, aber wenn sie schon mal recht haben, so sei es denn:

»Ich glaube, man lästert den Namen Christi, wenn man die katholische Religion, so wie sie in Spanien und Portugal herrscht, unter die christlichen nennt.«

Wobei: Die Einschränkung auf Spanien und Portugal will mir nicht ganz einleuchten. Denn anderswo ist der Katholizismus schließlich auch nicht so viel unkatholischer. Es ist aber auch gar zu krude: Man stelle sich nur vor, daß jemand eine Religionsgemeinschaft gründen würde, die Toten innere Organe entnimmt, einweckt und versteckt, um diese Jahrzehnte später wieder hervorzukramen und öffentlich auszustellen, um eine große Zahl von Anhängern ebendieser Religion zu veranlassen, zu diesen Leichenteilen zu pilgern und diese zu verehren — und dann auch noch die Dreistigkeit besitzt, diesen absurden Götzendienst christlich zu nennen. Würde nicht jeder, der sich einen Rest geistlichen Verständnisses bewahrt hat, eine solche Gemeinschaft als occulte, nekrophile Sekte übelster Art bezeichnen? Würde man nicht an der geistigen Gesundheit zweifeln von jemanden, der solches praktiziert oder andere dazu anstiftet, solches zu praktizieren? Nun muß niemand eine solche Sekte gründen; es gibt sie schon, und nur deshalb, weil sie keine Neugründung eines geisteskranken Excentrikers ist, sondern seit Constantins Tagen bestens etablierte Realität, gibt es immer noch etliche, die ihr ihre Rolle als staatstragende »christliche« Gemeinschaft abkaufen.

Selber!

12. Mai 2010

 

Rechnest du aber dies, o  Mensch, der die solches Praktizierenden Richtende und dieselben Tätigende, daß du, ja du, dem Urteil des Gottes entfliehen wirst?

(Röm. 2, 3)

Comedy Central, der amerikanische Sender, der auch die Comicserie »South Park« produziert, hat beschlossen, eine Serie »JC« über Jesus zu drehen, die sich wahrscheinlich irgendwo zwischen den Parametern »geschmacklos« und »lästerlich« bewegen wird. Präsentieren sollen die halbstündigen Folgen einen »Jesus«, der in New York wohnt; was bisher an Details bekannt wurde, ist unanständig genug. So ist sie nun mal, die Welt. Interessant ist aber, wer da gleich aus den Löchern gekrochen kommt, um sich zu beschweren: William Donohue, Präsident der Katholischen Liga für Bürgerrechte und Religionsfreiheit, findet die Sache widerwärtig. Und er hat recht. Auffällig ist nur, daß er selbst ausgerechnet zu einer Truppe gehört, die sich seit vielen Jahrhunderten damit beschäftigt, obszöne Karikaturen von Jesus unters Volk zu bringen. Meint die RKK, ein Monopol auf lästerliche Jesuscomics zu haben? Fürchtet sie etwa nur die Konkurrenz?

 

Dämonenlehre

3. Mai 2010 

 

 

 

  

Gerade habe ich in einem Leserbrief an die F.A.Z. gelesen: Ein Münsteraner rechtfertigt das Zölibat katholischer Priester damit, daß »der Priester … mit seiner ganzen Person für Christus steht«.

Dies bedeutet natürlich im Umkehrschluß, daß der »gewöhnliche Christ« diesem Verständnis zufolge nicht mit seiner ganzen Person für Christus stünde. Was aber lehrt die Schrift?

 Ich lebe, aber nicht mehr ich, es lebt aber in mir Christos …

(Gal. 2, 20)

Berufsberatung, hanseatisch

20. April 2010

 

Einigen Kummer ist die Evangelische Kirche in Deutschland mit ihren »Bischöfinnen« ja schon gewöhnt. Und das ist in Hamburg nicht grundsätzlich anders als in Mitteldeutschland oder Hannover. Im deutschen Norden hat Maria Jepsen gerade in einem Interview mit der taz — wie man auf gut deutsch so schön sagt — das mit dem Gesäß eingerissen, was ihre Mitarbeiter im Diakonischen Werk Hamburg zuvor mit den Händen aufgebaut hatten. Diese haben noch vor einigen Jahren in einer Pressemitteilung darauf bestanden, daß Prostitution nie ein normaler Beruf sein dürfe:

»Es ist falsch, … von der Anerkennung der Prostitution als Beruf zu sprechen,« sagt Ingeborg Müller, Fachbereichsleiterin für Frauenprojekte im Diakonischen Werk Hamburg. »Prostitution kann nie ein normaler Beruf sein.« Denn dazu gehöre die Meldung freier Stellen beim Arbeitsamt, die Vermittlung von Arbeitslosen in freie Stellen und die Androhung der Kürzung von Arbeitslosenhilfe, wenn ein Stellenangebot nicht angenommen werde. Sexualität dürfe nach christlicher Überzeugung nicht den Charakter einer Ware oder Dienstleistung bekommen.

gemäß Fleisch

17. April 2010 

 

 

Die Hoteliers sind zufrieden, und nicht nur diese. Es ist ein Bombengeschäft. Turin ist ausgebucht. Erstmals seit zehn Jahren wird das sogenannte »Turiner Grabtuch« wieder öffentlich für wenige Wochen ausgestellt, und Katholiken aus der ganzen Welt strömen nach Turin, um sich diese Reliquie, von der behauptet wird, sie sei das »Grabtuch Christi«, anzusehen. Man könnte Seite um Seite füllen, wenn man sich an der Debatte um die Echtheit dieses Tuches beteiligen wollte. Verschiedene Untersuchungen, darunter drei Radiokohlenstoffdatierungen (C14), haben das Tuch längst als mittelalterliche Fälschung entlarvt, die sich auch heute reproduzieren läßt, aber natürlich gilt dies einem wahren Tuchverehrer nichts; er wird immer Argumente finden, warum diese Untersuchungen fehlerhaft sein müßten.

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