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Archive - Feb 2010
Februar 23rd
Bild des Unsichtbaren
23. Februar 2010
Schwierige Bibelstellen IV: Kol. 1, 15
Dies ist die erste Notiz in der neuen Rubrik »Leser fragen den Geier«. Über das Kontaktformular treffen ja gelegentlich interessante Fragen ein, und sofern ich diese beantworten kann und auch meine, daß dies für weitere Leser von Interesse sein könnte, werde ich diese in loser Folge zu Geiernotizen verarbeiten — die Identität des Fragestellers bleibt selbstverständlich geschützt.
Die Reihe »›Schwierige‹ Bibelstellen« hat einen Leser veranlaßt, nach Kol. 1, 15 zu fragen, und hier ist die versprochene Antwort:
Kolosser 1, 15 spricht von Christus als dem »Bild des unsichtbaren Gottes«, und das scheint ja tatsächlich erst einmal ein Paradoxon zu sein: Etwas, das unsichtbar ist, kann man nicht abbilden. Tatsächlich? Zumindest aus der Naturwissenschaft kennen wir ja visuelle Beschreibungen unsichtbarer Dinge — die Modelle. So kann ich Sauerstoff zwar nicht sehen, aber in einem Modell abbilden, das die molekularen Eigenschaften des Sauerstoffs abbildet. Wer das Modell sieht, sieht zwar immer noch keinen Sauerstoff, aber er kann etwas über die Eigenschaften des Sauerstoffs lernen.
Dies ist zwar nur ein Gleichnis, aber es bringt uns schon einmal auf die richtige Fährte. Tatsächlich aber besteht zwischen dem Christos und dem Vater eine viel höhere Übereinstimmung als zwischen einem Sauerstoffmolekül und dem Modell eines solchen. So sagt Jesus in Johannes 14, 7:
Was für ein Glas!
23. Februar 2010
Wie die F.A.Z. berichtet, hat die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, letztens in einem Interview geäußert, sie träume bereits davon, sich eines Tages wieder mehr ins Private zurückzuziehen. Zielstrebig, wie sie nun einmal ist, arbeitet sie auch bereits an der Erfüllung dieses Traumes.
Am Wochenende wurde sie von der Polizei in Hannover erwischt, wie sie betrunken mit ihrem Phaeton eine rote Ampel überfuhr. Nun hat diese Frau ja in ihrem Leben schon so viele (geistliche) Stopschilder überfahren, daß eine rote Ampel wohl nur eine Frage der Zeit war.
Nachdem die Polizisten sie mit 1,54 Promille im Zustand absoluter Fahruntüchtigkeit angehalten hatten, soll sie zur Entschuldigung vorgebracht haben, daß sie ja »nur ein Glas getrunken« habe. Dieses Glas gibt mir ernsthaft zu denken. Um sich in einen solchen Zustand zu trinken, müßte das Glas (wenn man mal von Wein ausgeht) gigantische Ausmaße gehabt haben, also beinahe ein Literglas. Auf eine handelsübliche Glasgröße käme sie eigentlich nur, wenn sie Primasprit* getrunken hätte. Das wäre dann allerdings auch wieder ein Grund zu ernster Besorgnis. Von russischen Kampftrinkern habe ich so etwas schon gehört, die sterben dann allerdings auch nicht an Leberzirrhose, sondern an einem Speiseröhrendurchbruch, auch bekommt man das Zeug nicht lebend runter, ohne außerordentlich gut in Übung zu sein.
Februar 22nd
Citat des Tages X
21. Februar 2010
Mit einer Geschwindigkeit, die ansonsten nur vom chinesischen Schwarzmarkt erreicht wird, produzieren christliche Verkäufer praktisch über Nacht von jedem säkularen Phänomen eine eigene Variante. Egal, ob es sich um ein neues Musikgenre, ein Diätprogramm oder einen Modetrend handelt, spätestens zu Weihnachten findet sich eine entsprechende Jesus-Version im christlichen Laden um die Ecke. Wenn Nachahmung die höchste Form der Schmeichelei ist, dann sind Christen die ergebensten Bewunderer der Popkultur.
Skye Jethani in »The Divine Commodity: Discovering a Faith Beyond Consumer Christianity«*, Übersetzung des Citates Tobias Faix
* Zu dem Buch kann ich weder Gutes noch Schlechtes sagen, ich habe es nicht gelesen, das Citat fand ich aber jedenfalls wert, in die hiesige Sammlung aufgenommen zu werden.
Februar 18th
Altershochmut
18. Februar 2010

Der Kotzker Rebbe Menachem Mendl Morgensztern (1787 — 1859) sagte einmal:
»So wie es die Art des Affen ist, den Menschen zu imitieren, so imitiert auch der Mensch, wenn er alt wird, sich selbst, und tut, was seinen vorherigen Gewohnheiten entspricht.«
und David Sacks erklärt dazu in einem Artikel zu Neujahr (Rosch H’Schanah):
»In anderen Worten: An einem bestimmten Punkt ihres Lebens werden die meisten von uns — sei es bewußt oder nicht — zufrieden damit, wer sie sind und was aus ihnen geworden ist. Als solche hören wir auf, größere geistliche Höhen anzustreben. Wir sind zufrieden damit, unsere verbleibenden Tage als eine bloße Imitation unserer selbst zuzubringen.«
Februar 16th
Dabhar-Übersetzung [Glossar]
Dabhar-Übersetzung
Die Dabhar-Übersetzung, auch bekannt als die »Geschriebene«, ist eine konkordante Bibelübersetzung, die wegen ihrer im Deutschen bisher unübertroffenen Genauigkeit hier häufig zum Einsatz kommt.
Für eine ausführliche Begründung empfehle ich den Artikel »vom Übersetzen«.
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Treun (Glauben) [Glossar]
Treun (Glauben)
Das Griechische Wort »Pistis« (πίστις) wird meist mit »Glaube« wiedergegeben. Dies ist insofern problematisch, als Glaube im Deutschen die Bedeutung des vagen, ungewissen hat. Pistis ist richtiger mit »Treue«, »Vertrauen«, »Treuebindung« zu übersetzen. Es beinhaltet Beständigkeit, Zuverlässigkeit, Herzensbindung, Wohlgesinntheit. Für die Übersetzung »Treue« ergibt sich hieraus das Problem des fehlenden zugehörigen Verbs; F. H. Baader löst es für die Dabhar-Übersetzung mit der Wortschöpfung »treun«.
Auch für unser persönliches »Treunsleben« ist es von Bedeutung, zu wissen, daß Errettung nicht aus einem bloßen Fürwahrhalten biblischer Aussagen erwächst, sondern aus einem treuen Festhalten gegen Widerstände und einer Treuebindung an den, der diese Aussagen gegeben hat.
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Toleranz [Glossar]
Toleranz
Wir leben in einer Gesellschaft, in der Kindern frühzeitig beigebracht wird, daß Toleranz eine Tugend sei. Ob dies aber wirklich so ist, hängt immer davon ab, was denn da toleriert wird. Oft ist die nach außen zur Schau getragene Toleranz der politisch Korrekten nichts anderes als eine bequeme Konfliktvermeidungsstrategie.
Es gibt auch eine ganz andere Sicht auf die Dinge, zum Beispiel die des Technikers, der weiß, daß Toleranz eine Abweichung von einer Idealnorm ist. Ein Maschinenteil, das Toleranzen aufweist, wird irgendwo schleifen und Probleme verursachen, zumindest höheren Energieverbrauch, vielleicht auch ernsthafte Störungen des Ablaufes. Sind die Toleranzen zu groß, kann man es gar nicht einpassen und es wird völlig unbrauchbar. So ist es auch mit dem Menschen: Weist er zu große Toleranzen — also Abweichungen vom göttlichen Ideal — auf, läßt er sich nicht mehr in die menschliche Gesellschaft einpassen. Man spricht dann von Asozialität. Weist eine ganze Gesellschaft mehrheitlich zu große Toleranzen gegenüber dem biblischen Normativ auf, hat man eine dekadente, untergehende Civilisation.
Auch Thomas Mann sei hier angeführt, der gesagt hat, daß Toleranz zum Verbrechen wird, wenn sie dem Bösen gilt, und Aristoteles, der Toleranz als letzte Tugend einer untergehenden Gesellschaft bezeichnet haben soll.
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Sekte (Denomination) [Glossar]
Sekte
Denomination heißt übersetzt »Benennung«; das Wort sagt aus, daß eine bestimmte fest umrissene Gruppe sich unter einem bestimmten Namen, einer eigenen Bezeichnung, zusammengefunden hat. In der Regel erfolgt die Abgrenzung einer solchen Denomination auf der inhaltlichen Ebene durch ein Bekenntnis, also eine Konfession, auf der Strukturebene durch eine Vereins- oder Körperschaftsbildung. Es gibt aber auch Gruppen, die faktisch Denominationscharakter tragen, ohne schriftlich fixierte Bekenntnisschriften und öffentlich-rechtlichen Status zu haben.
Den einen oder anderen Leser mag erstaunen, daß ich die Begriffe »Sekte« und »Denomination« im wesentlichen synonym benutze.
Während der kirchliche Sektenbegriff hauptsächlich quantitativ bestimmt ist (als Sekte wird hier eine Gemeinschaft bezeichnet, deren theologisches Gerüst von dem der Mehrheit erheblich abweicht) ziehe ich eine qualitative Begriffsbestimmung vor. Was eine Sekte ist, hat nicht die Mehrheit zu bestimmen, sondern Gott. Wenn wir hierzu in die Schrift sehen, finden wir den Begriff häresis (αιρεσις), der einen Seitenweg bezeichnet. Nach dem, was wir aus dem ersten Korintherbrief über Denominationsbildung lernen können, sind Denominationen (Kirchen, Freikirchen, Konfessionen, Sonderbekenntnisse) grundsätzlich als solche illegitimen Seitenwege anzusehen, zuerst einmal unabhängig von der Qualität der jeweiligen Theologie und Praxis.
political correctness (Politische Korrektheit) [Glossar]
political correctness (Politische Korrektheit)
Im politischen Diskurs die Unterdrückung von Argumenten durch Tabuisierung. Das Prinzip funktioniert identisch in nichtpolitischen Diskussionen. Mißliebigen Themenbereichen wird die rationale Erörterung versagt, indem von Vornherein ein unausgesprochener Konsens darüber hergestellt wird, daß jeder Diskutant, der sich ihrer annimmt, von den anderen Diskutanten ausgegrenzt wird. Prof. Dr. Wolfgang Marx schreibt dazu (F.A.Z., 19. 7. 2002):
»An dieser Stelle muß man auf die Ideologie der ›politischen Korrektheit‹ zu sprechen kommen, die uns mit sanftem, aber, wenn es denn sein muß, auch sehr unsanftem Nachdruck dazu veranlassen will, die Realität, wenn schon nicht anders zu sehen, so doch wenigstens anders zu beschreiben, als wir das bisher getan haben. So müßte man in dem bekannten Märchen von Andersen den Kindern geradezu verbieten zu sagen, der Kaiser sei nackt. Es wäre höchst inkorrekt, ihn derart zu kränken und zu blamieren. Korrekt verhalten sich die Höflinge und die erwachsenen Untertanen, die so tun, als ob sie es nicht sähen. Das nämlich ist der Grundgedanke der politischen Korrektheit: So tun, als ob nichts wäre, auch, oder gerade, wenn etwas ist. Die Richtigkeit einer Aussage schützt sie nicht davor, inkriminiert zu werden; und Wahrheit ist im Diskurs der politischen Korrektheit kein zentraler Wert. Von Bedeutung ist allein das Kränkungspotential einer Feststellung, und damit geht es gar nicht mehr um objektive, es geht allein noch um subjektive Tatbestände …«
Pfahl / anpfahlen (Kreuz / kreuzigen) [Glossar]
Pfahl / anpfahlen
Gemeinhin würde hier von »Kreuz« bzw. »kreuzigen« gesprochen, die genauere Übersetzung von
stauros / stauro (σταυρος / σταυρω) ist aber »Pfahl« bzw. »anpfahlen«. Die ersten Christen wußten noch, daß Christus an einem Pfahl gestorben war, wie auch wir heute noch anhand sorgfältiger Bibelübersetzungen bzw. des Grundtextes feststellen können. Demzufolge war ihnen das Kreuz als Zeichen, gar als Gegenstand der Verehrung, unbekannt. Die Einführung des Kreuzes als kirchlicher Kultgegenstand — das zuvor nur als heidnisches Sonnen- und Zauberzeichen verbreitet war — geht auf Konstantin zurück (»in diesem Zeichen siege«). Letztlich hat die Einführung eines Kultsymbols den Weg für die spätere katholische und orthodoxe Bilder- und Reliquienverehrung geebnet. Eusebius berichtet, daß auch im »christlichen« Konstantinischen Heer das Kreuz als Unverwundbarkeit wirkendes Zauberzeichen angesehen wurde. Siehe hierzu auch diesen ausführlicheren Artikel.
Dieser Artikel ist Bestandteil des Glossars.




