Despoten wie Du und ich — und wie Jesus

Despot bei der Arbeit5. August 2012

 

Wenn wir heute das Wort »Despot« benutzen, verwenden wir es synonym mit »Tyrann«, »Gewaltherrscher«, »Unterdrücker« — und genau das sind auch die Bedeutungen, die unsere Wörterbücher uns nahelegen. Im Vergleich zum biblischen Gebrauch des Wortes hat hier jedoch eine dramatische Bedeutungsverschiebung stattgefunden. Das Wort δεσπότης (Despotes) kommt nämlich im Neuen Testament durchaus einige Male vor. Die Dabhar-Übersetzung setzt mit dem etwas sperrigen »Tränkmächtiger« einen anderen Schwerpunkt: Hier wird der δεσπότης als Versorger dargestellt, als einer, der Vollmacht und Verpflichtung hat, denen, die ihm anvertraut sind, das Lebensnotwendige zuzuweisen. Legt der biblische Gebrauch des Wortes diese Deutung nahe? Durchaus: Von den zehn Vorkommen von δεσπότης im Text haben sämtliche einen positiven Sinn; in etwa zwei Dritteln der Fälle wird Gott selbst als δεσπότης bezeichnet:

Geierismen VIII: Über Kritik

2. August 2012

 

 

Ob Kritik nun konstruktiv oder destruktiv ist, darauf hat letztlich der Kritisierte mehr Einfluß als der Kritiker.

 

 

 

… zurück nach Ägypten?

28. Juli 2012

 

Wenn wir uns die Etymologie des Begriffes »Religion« ansehen, dann finden wir die lateinischen Wortbestandteile der Begriffe »zurück« und »binden«. Man kann Re-Ligion also als die Rückkehr in eine Bindung, in eine Gebundenheit, als ein erneutes Gefesseltwerden beschreiben. Dabei soll es hier nicht um eine verbindliche etymologische Deutung gehen, sondern vielmehr darum, die Wortbestandteile als Denkanregung zu benutzen. Wo also finden wir eine solche Rückkehr in der Bibel? Nun, wir finden zumindest den deutlich artikulierten Wunsch nach einem Rückweg in die Gebundenheit: In 2. M. 16, 2f lesen wir, daß die Kinder Israel gegen Aaron und Moshe murrten, weil sie im Rückblick meinten, sie wären doch besser in der Knechtschaft Mizrajims (Ägyptens) geblieben, wo sie wenigsten Brot und Fleisch zur Genüge hatten. Die Freiheit, in die Jahweh sie geführt hatte und die gerade durch eine Wüstenstrecke führte, schien ihnen nicht sonderlich attraktiv im Vergleich zu den Bindungen Mizrajims, die zumindest eine gewisse soziale Beständigkeit mit sich gebracht hatten.

Citat des Tages LIX

23. Juli 2012

 

Es war einmal ein christliches Abendland. In diesem christlichen Abendland galten die in der Bibel geoffenbarten Gebote Gottes als absoluter Maßstab, als ein für die ganze Gesellschaft verpflichtendes Ethos. Dieses christliche Abendland war kein Ort moralischer Vollkommenheit. In diesem christlichen Abendland wurden grausame Kriege geführt, Menschen unterdrückt, ausgebeutet und verfolgt. In diesem christlichen Abendland wurde gegen die Gebote Gottes gelebt und gehandelt. Aber niemals, bis in die Neuzeit hinein, und dann zunächst nur am Rande, in den Köpfen einiger revolutionärer Philosophen, wurde das biblische Ethos als solches in Frage gestellt. Die Gebote Gottes waren nicht wegzudiskutierende Maßstäbe des Lebens, sie stellten vielmehr ihrerseits das Tun und Treiben der Gesellschaft in Frage. Der unangefochtene Anspruch eines absoluten, eben biblisch offenbarten Ethos war eine Kraft, die aus dem Dilemma wieder zur Verantwortung rief, das Böse als Böses und Schuld als Schuld kennzeichnete. Es gab diese letzte Instanz endgültiger Werte, die in der Unordnung zur Ordnung und in der Ungerechtigkeit zur Gerechtigkeit rufen konnte. Solange das Gebot Gottes als unfehlbare Autorität galt, solange konnte unsere europäische Gesellschaft durch eine permanente Reformation immer wieder zum ursprünglichen Gehorsam zurückgerufen werden.

Kinder an die Macht?

18. Juli 2012

 

Spätestens mit der Piratenpartei ist die Infantilisierung der Gesellschaft, die sich schon seit Jahren in der Besiedlung der Schreibtische deutscher Amtsstuben durch Ü-Ei-Figuren manifestiert, nun auch in der Politik angekommen. Dabei hat Deutschland früher schon Kuriositäten wie die Biertrinkerpartei ohne größeren Schaden überstanden und »Die Partei« von Titanic-Redakteur Sonneborn irrlichtert ja auch noch immer durch die Talkshows des Landes. Nur: Die wählt eben (fast) niemand, weil jeder weiß: Die wollen nur spielen. Nun sollte man meinen, daß auch bei einer Partei, die sich freiwillig »Piratenpartei« nennt, jedem sofort klar ist, daß da ein — sagen wir es mal freundlich — ernsthaftes Ernsthaftigkeitsdefizit besteht. Aus unerfindlichen Gründen ist es diesem Kasperlclub aber trotzdem gelungen, über 180 kommunale Mandate zu erringen und mit dem Berliner Abgeordnetenhaus sogar ein Landesparlament zu erobern. Deutschland kann ja manchmal so richtig peinlich sein:

In Schleswig-Holstein wünscht sich Oberpirat Torge Schmidt das »Bedingungslose Grundeinkommen«. Auf die Frage einer Moderatorin, wie das denn finanziert werden solle, fällt ihm zunächst ein:

»Wir ha’m ja leider ne ziemlich scheiße Haushaltslage.«

Alexander Neubacher · »Ökofimmel«

9. Juli 2012

 

Alexander Neubacher

Ökofimmel
Wie wir versuchen, die Welt zu retten — und was wir damit anrichten

gebunden, 272 Seiten
Deutsche Verlags-Anstalt
ISBN 978-3421045492
€ 19,99

 

Hätten Sie gewußt, daß ein Apfel, der auf einer neuseeländischen Farm angebaut und dann um den halben Globus geschafft wurde, um dann hier beim Discounter verkauft zu werden, am Ende eine bessere Ökobilanz hat, als ein Apfel, den Sie sich vom Biobauern aus dem nächsten Dorf holen — oder daß für die Herstellung der Batterien eines Elektroautos fast so viel Energie aufgewendet werden muß, wie ein Kleinwagen während seiner gesamten Laufzeit verbraucht, so daß die gesamte Energiebilanz des Elektromobils schlechter ist als die eines gewöhnlichen Dieselwagens? Dies gilt zumindest dann, wenn letzterer mit konventionellem Diesel befeuert wird, denn die Öko- und Energiebilanz von Bio-Diesel (wie auch von Bio-Ethanol) ist schlicht katastrophal. Wußten Sie, daß Bioprodukte weder nachweislich gesünder sind als solche aus konventioneller Landwirtschaft, noch umweltfreundlicher hergestellt?

Alexander Neubacher beschäftigt sich in seinem Buch »Ökofimmel« auf 250 Seiten FSC-zertifizierten Papiers mit einem Herangehen an den Umweltschutz, das zwar von viel gutem Willen und ideologischem Eifer, zumeist aber wenig Sachverstand geprägt ist, und er kommt zu dem Ergebnis: Durchaus nicht alles, was mit einem Öko-Siegel versehen ist, nützt auch wirklich der Umwelt. Dabei gehört er durchaus selbst zu den »Guten«, die Müll trennen, Bioprodukte kaufen und Wasser sparen. Irgendwann konnte er aber doch nicht mehr übersehen, daß vieles, was uns heute als ökologische Errungenschaft verkauft wird, einem wirksamen Umweltschutz entgegensteht. Dabei ist die Sache an sich ja schon kompliziert genug: Windkraftwerke helfen zwar, fossile Energieträger einzusparen, werden aber von BUND-Mitbegründer Enoch zu Guttenberg als »hocheffiziente Geräte zur Vernichtung von Vögeln und Fledermäusen« bezeichnet (siehe auch dieser Artikel). Biosprit spart zwar Erdöl, bewirkt aber, daß zum Anbau von Energiepflanzen Wälder abgeholzt und Nahrungsmittel verknappt werden. Solarzellen wiederum verschlingen für ihre Herstellung unglaubliche Energiemengen und enthalten teilweise hochgiftige Substanzen, deren Entsorgung bisher nicht geregelt ist. Wenn dann aber zu ohnehin schon ambivalenten Sachverhalten auch noch ideologische Scheuklappen und handfeste commerzielle Interessen kommen, kann das nur zu absurden Ergebnissen führen.

Ausgegraben: Barry McGuire · To the Bride · I Walked a Mile

5. Juli 2012

 

 

Diese Musik ist nun fast vierzig Jahre alt und vor ca. einem Vierteljahrhundert habe ich das viel gehört. Heute habe ich es wiedergefunden, und was soll ich sagen: It made my day!

 

Unterm Messer: Paulos tranchiert

3. Juli 2012

 

Zu den am häufigsten mißbrauchten, gefledderten, zweckentfremdeten und mißhandelten Bibelversen gehört zweifellos Philipper 4, 7. Wir lesen hier in den Versen 6 und 7:

»Nicht eines sorget, sondern in allem, in dem Gebet und dem Flehen, mit Dank sollen eure Bitten bekannt gemacht sein zu dem Gott, dann wird der Friede des Gottes, der überhabene allem Denken, eure Herzen und eure Gedanken bewachen in dem Christos Jesus.«

Paulos trifft damit eine ganz klare Lehraussage: Wenn wir nicht sorgen, ist unser Denken mit dem Denken des Christos in Übereinstimmung und dadurch in ihm bewahrt und geschützt. Sorgen wir uns hingegen, verlassen wir diesen Schutzbereich und werden in unserem Denken keinen Frieden finden. Paulos baut damit direkt auf die Lehre auf, die Jesus gegeben hat:

Er sagte aber zu seinen Lernenden: Deshalb sage ich euch: Sorget nicht aufgrund der Seele, was ihr essen solltet, aber auch nicht aufgrund des Leibes, in was ihr schlüpfen solltet. (Lk. 12, 22)

Aber wer aus euch vermag, indem er sorgt, seinem Wachstum eine Elle hinzuzusetzen? Wenn daher aber auch nicht irgend Geringstes ihr vermöget, was sorget ihr die Übrigen betreffend? (Lk. 12, 25f)

Zwischenbericht: Axel Hüls

26. Juni 2012

 

Axel Hüls ist aus der Justizvollzugsanstalt Sehnde in die JVA Celle, Abteilung Salinenmoor verlegt worden. Bitte also keine Post mehr nach Sehnde schicken.

Sein Urteil ist inzwischen rechtskräftig, die Revision der Staatsanwaltschaft, welche ein höheres Strafmaß zum Ziel hatte, wurde mangels Erfolgsaussicht zurückgezogen. In einer Pressemitteilung des LG Lüneburg vom 11. Mai 2012 heißt es dazu:

Gegen das Urteil hatten sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Angeklagte Revision eingelegt. Die Staatsanwaltschaft nahm ihre Revision nach Zustellung der schriftlichen Urteilsgründe zurück. Da der Angeklagte innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Frist keine Revisionsbegründung eingereicht hat, ist das Urteil jetzt rechtskräftig geworden. 

Steuergeld bei der Arbeit: Barbie-Sciences

25. Juni 2012

 

Haben Sie sich auch immer schon einmal gefragt, was so eine Europäische Kommission eigentlich alles mit den Geldern veranstaltet, welche ihr die Steuerzahler der EU-Mitgliedsstaaten fröhlich zur Verfügung stellen? Sie macht sich Sorgen um uns! Insbesondere um die armen Mädchen, die trotz aller Volkspädagogik immer noch von Kinderwunsch und Schwangerschaft bedroht sind, besonders, wenn man sie nicht rechtzeitig in einer strahlenden Wissenschaftskarriere festnagelt. Und wie die Kommission so nachdenkt und darüber sinniert, wieviele Erfindungen eigentlich von Frauen gemacht wurden, da ist ihr außer dem Kaffeefilter von Melitta Bentz spontan gar nicht so viel eingefallen. Da war die Kommission sehr, sehr betroffen und auch ein stückweit traurig. Das ist sie nämlich immer, wenn Mädchen und Jungens sich unterschiedlich verhalten, weil sie dann jedes mal schmerzlich daran erinnert wird, daß sie mit der Erschaffung des androgynen Menschen immer noch nicht so recht vorangekommen ist. Aber dann sann sie auf Abhilfe. Und sie sagte sich: Wenn das Durchschnittsmädchen schon nicht sonderlich wissenschaftsaffin ist und statt Maschinenbau oder Informatik lieber Germanistik oder Psychologie studiert, müssen wir eben eine mädchenkonforme Naturwissenschaft basteln — so eine Wissenschaft in Pink, mit vielen bunten Kügelchen statt stupider Zahlenkolonnen und Protokolle, mit Stilettos als Arbeitsschutzschuhen im Labor, wo es denn auch in erster Linie um Spaß geht, nicht um so etwas langweiliges wie Arbeit.

Rückblick 1. Lesertreffen

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