»lebensunwertes Leben«
1. Februar 2012
Kulaken!
Untermenschen!
Zellklumpen!
Eine seltsame Zusammenstellung ist das. Und trotzdem verbindet diese Begriffe eine Gemeinsamkeit, eine ideologische Kontinuität — von Lenin bis Schwarzer sozusagen: Immer wenn einer Bevölkerungsgruppe ein Krieg erklärt wird, der ihre weitgehende Vernichtung zum Ziel hat, wird diese zuvor mit Begriffen belegt, die sie außerhalb der menschlichen Gesellschaft stellen sollen. Es gibt legitime Begriffe, mit denen sich Gruppen von Menschen voneinander abgrenzen — nach religiöser, sozialer, oder ethnischer Zugehörigkeit oder anderen typischen Merkmalen. Aber mit Begriffen wie den obengenannten wird signalisiert: Hier liegt eine Feindschaft vor, die man nicht mehr überwinden will. Hier gibt es nichts zu verhandeln, nichts zu diskutieren, hier wird nur noch nach der »Endlösung« gestrebt.
Will man ungestraft morden, muß man entweder den Mord umdefinieren oder das Opfer. Ernesto »Che« Guevara zum Beispiel hat den Mordbegriff umgedeutet, indem er ihn der Nützlichkeit unterworfen hat. Als Kommandeur der Erschießungskommandos in Havanna hat er betont, daß er keinen Nachweis der persönlichen Schuld der Hinzurichtenden benötige: Es genüge ihm, daß die Hinrichtung für die Revolution nützlich sei. So ließ er auch Kinder erschießen, deren Familien sich gegen die Enteignung ihres Landes gesträubt hatten oder geistig Behinderte.
Citat des Tages XLVIII
28. Januar 2012
Von Nichts kann man nicht leben. Das hört man so oft, besonders von Pastoren. Und gerade die Pastoren bringen folgendes Kunststück fertig: Das Christentum ist gar nicht da — dennoch leben sie davon.
Sören Kierkegaard
Abb. gemeinfrei
Neues aus der Anstalt
23. Januar 2012
Dresden · In Sachsen dürfen zoophile Pfarrerinnen und Pfarrer künftig unter bestimmten Voraussetzungen gemeinsam mit ihrem Partnertier im Pfarrhaus leben. Das hat die Kirchenleitung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens am 21. Januar in Dresden entschieden.
Voraussetzung sei allerdings eine eingetragene Lebenspartnerschaft des Paares und die einmütige Zustimmung des Kirchenvorstandes. Landesbischof Jochen Bohl (Dresden) hob bei der Tagung der Kirchenleitung hervor, wie umstritten dieses Thema sei. Nur durch ein gegenseitiges Respektieren und Achten der jeweils anderen Auffassung könnten diese gegensätzlichen Auffassungen überwunden werden. Er hoffe, „dass die Christinnen und Christen in den Kirchgemeinden unserer Landeskirche diese Entscheidung der Kirchenleitung mittragen werden“, erklärte Bohl. Er sei sicher, „dass zoophil geprägte Menschen, mit denen wir in der Gemeinschaft der Kirche verbunden sind, als Schwestern und Brüder im Glauben akzeptiert werden“. Eine wichtige Grundlage für die Entscheidung war den Angaben zufolge ein Abschlussbericht der Arbeitsgruppe „Zoophilie in biblischem Verständnis“. Zugleich bekräftigte die Kirchenleitung die bleibende Bedeutung der biblischen Ordnung von Ehe und Familie als Leitbild des Zusammenlebens von Frau und Mann.
Halt, halt, Moment! Da ist hier in der Redaktion wohl was durcheinandergeraten. Nein, nicht viel, nur zwei, drei Worte. Immerhin. Soll nicht wieder passieren. Hier kommt die echte Pressemeldung:
Erfundene Realitäten
22. Januar 2012
Vor knapp drei Jahren hatte ich auf das als »Pallywood« bekannte Phänomen hingewiesen, das darin besteht, erfundene und dramaturgisch inscenierte Filmbeiträge der Öffentlichkeit als Dokumentationen zu verkaufen.
In Deutschland scheint das undenkbar, daß es aber auch hier mit der journalistischen Sorgfalt nicht zum besten steht, zeigt Sebastan Heiser mit einer aufwendigen Recherche für die »tageszeitung«: Bei einem knappen Dutzend Zeitungen hat er versucht, mit bezahlten Anzeigen Einfluß auf redaktionelle Inhalte zu nehmen — mit unterschiedlichem, aber insgesamt doch sehr beeindruckendem Erfolg.
Auch im Fernsehen verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion zunehmend: Ende letzten Jahres wurde bekannt, daß gemäß einer Studie der »Gesellschaft zur Förderung des internationalen Jugend- und Bildungsfernsehens« etwa drei Viertel der jugendlichen Zuschauer die sogenannten »Scripted-Reality-Shows« mehr oder weniger für bare Münze nehmen, das sind Sendungen, die zwar wie Dokumentationen aussehen, in denen aber tatsächlich frei erfundene Handlungen nach Drehbuch ablaufen. Nach einer Forsa-Umfrage sind dies zwar nur 18%, immerhin gaben dort aber 60% der befragten Jugendlichen an, daß es ihnen überhaupt gleichgültig sei, ob das Gesehene real oder fiktiv sei.
Post aus der JVA Sehnde: Nachtrag
19. Januar 2012
Der Brief von Axel Hüls, der gestern nur als stellenweise schwer lesbare Kopie vorgelegen hat, kann durch die Hilfe eines Lesers, der den handschriftlichen Text digitalisiert hat, jetzt als hervorragend lesbare Datei heruntergeladen werden.
Inzwischen steht auch der Prozeßtermin fest: Am kommenden Dienstag, dem 24. 1., beginnt die Verhandlung um 9.30 Uhr im Saal 121 des Landgerichtes Lüneburg, Am Markt 7.
Der »Zeltmacher« citiert eine Mutter von drei Kindern zum Thema:
»Man sollte einmal darüber nachdenken, wie sehr ein Vater seine Kinder lieben muß, um so eine Aktion zu starten.«
Es wäre gut, wenn das Gericht dies in Erwägung ziehen würde.
Post aus der JVA Sehnde
18. Januar 2012
Der »Zeltmacher« hat gestern eine Stellungnahme von Axel Hüls veröffentlicht (ich hatte den Fall hier, hier und hier kommentiert). Viel ist meinerseits nicht dazu zu sagen, der Artikel dort sowie der daselbst verlinkte Brief von Hüls sprechen für sich. Ab Seite 3 unten äußert er sich zur Sache und man sollte sich nicht davon abschrecken lassen, daß die Kopie des Briefes stellenweise schlecht lesbar ist*. Der Brief erklärt einige Fragen, die besorgte Leser zu diesem Fall haben.
Im Brief beklagt Axel Hüls, daß nicht alle seine Post weitergeleitet wird. Auch die wenigen Lebenszeichen, die nach draußen gelangen, werden offensichtlich grob verzögert. Ich habe zuverlässige Kenntnis, daß ein Brief von ihm, der auf den 19. September 2011 datiert ist, erst am 2. Januar 2012, also nach fast vier Monaten, in die Post gegeben wurde. Auch das Recht der Staatsanwaltschaft, die Post zu überprüfen, läßt solche »Bearbeitungszeiten« nicht recht plausibel erscheinen. Es scheint, als würde die Staatsanwaltschaft hier ihre Ermessensspielräume ausreizen, um Hüls so weit wie möglich zu isolieren — nicht zuletzt auch von seinen Kindern.
Kleine Zeitungsschau VI
10. Januar 2012
Warum es hier neben strikt geistlichen Themen auch Kommentare zum Zeitgeschehen gibt? In Lukas 13, 1 — 5 lernen wir, daß auch Jesus das aktuelle Tagesgeschehen geistlich erklärt und ausgewertet hat. Offensichtlich war er bestens informiert, sonst hätte er, auf die Galiläer und den römischen Gouverneur angesprochen, das vergleichende Beispiel mit dem Turm vom Siloam gar nicht anbringen können.
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Der Bundesrepublik ist es gestern erstmals in ihrer Geschichte gelungen, Geld zu negativen Zinsen zu leihen. Bei der Versteigerung der Wertpapiere im Wert von fast vier Milliarden Euro mit einer Laufzeit von sechs Monaten fiel der Zins auf minus 0,0122 Prozent. Das heißt, die Anleger zahlen der Finanzagentur des Bundes noch Geld dafür, daß sie Deutschland Geld leihen dürfen, sie legen auf den Kredit noch eine Prämie drauf, sozusagen eine »Aufbewahrungsgebühr« für ihr Geld. Es handelt sich hier um institutionelle Anleger — Banken, Investoren, Fonds — die ja eigentlich mit dem Geld ihrer Kunden Gewinne erwirtschaften müßten.
Von Radikalen, Rechtsanwälten und Distanzierern: Ein Nachtrag
3. Januar 2012
Das lateinische Wort »Radix« bezeichnet eine Wurzel, einen Ursprung, eine Quelle, auch ein festes Fundament. Radikale sind also Verwurzelte, Gründliche und selbst Gegründete, oft auch Leute, die Probleme an der Wurzel anpacken, weswegen für andere, die ein Problem, wenn überhaupt, lieber nur oberflächlich behandeln, »Radikaler« ein Schimpfwort ist.
Vor ein paar Tagen hatte ich die Strafanzeige einer Berufsgrünen gegen Wilfried Plock und einige christliche Verlage kommentiert und auch die Begleitung des Falles durch den NDR gewürdigt, heute will ich zu dem Thema noch ein paar Gedanken nachtragen.
Durch seinen Rechtsanwalt hat Plock nun den NDR aufgefordert, künftig die Behauptung zu unterlassen, er sei ein radikaler Christ. Ich kann mir nicht helfen: Wenn ich das lese, sehe ich Plock vor mir, wie er vor seinem Schöpfer steht, der gerade sagen will: »Du bist ein guter und treuer Knecht und ein radikaler Christ gewesen, gehe ein in die Freude deines Herrn« und Plock ihm antwortet: Radikaler Christ? Du wirst in dieser Angelegenheit noch Post von meinem Anwalt bekommen!
Ja, es gibt sie noch: Gute Nachrichten!
31. Dezember 2011
Nachdem in den letzten Jahren an der berüchtigten Liboriusschule in Salzkotten die Schulleiterin (und katholische Theologin) Thekla Tuschen im Verein mit dem Amtsgericht Paderborn reihenweise Eltern, welche ihre Kinder vor Theaterstücken schützten, die sie aus wohlerwogenen Gründen für pornographisch hielten, mit Ordnungsgeldern und Erzwingungshaft tractieren ließ, gibt es an der juristischen Front einen Lichtblick: Kinder sind doch nicht uneingeschränkt Freiwild der Kultusbureaukratie und Eltern dürfen tatsächlich gelegentlich noch Einfluß auf die Erziehung ihrer Kinder nehmen:
Citat des Tages XLVII
29. Dezember 2011
Nachdem die britische Kolonialverwaltung in Indien die Tradition des Sati — die (Selbst-)verbrennung einer lebenden Witwe auf dem Scheiterhaufen, auf dem auch ihr verstorbener Mann verbrannt wird — verboten hatte, beschwerten sich einige Hindu-Priester bei Gouverneur Charles Napier, daß das Verbot der Witwenverbrennung ihren Bräuchen widerspräche. Es ist von ihm die Antwort überliefert:
»So sei es denn. Solches Verbrennen von Witwen ist Euer Brauch; so bereitet den Scheiterhaufen. Aber auch meine Nation hat einen Brauch. Wenn Männer Frauen lebendig verbrennen, so hängen wir sie und ziehen all ihren Besitz ein. Deswegen werden meine Zimmerleute Galgen errichten, um daran alle zu hängen, die beteiligt sind, wenn die Witwe verbrennt. So laßt uns alle gemäß unserer nationalen Bräuche handeln.«
(Im englischen Original: »Be it so. This burning of widows is your custom; prepare the funeral pile. But my nation has also a custom. When men burn women alive we hang them, and confiscate all their property. My carpenters shall therefore erect gibbets on which to hang all concerned when the widow is consumed. Let us all act according to national customs.«)
Abb. gemeinfrei
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