Meinungsfreiheit? Kommt ganz drauf an für wen.
24. Juni 2010
Das waren noch Zeiten: Im Oktober 1879 beschwert sich die deutsche Sozialdemokratie noch bitterlich über das seit einem Jahr gültige als »Sozialistengesetz« bekannte »Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie«, das durch seine Einschränkung der Pressefreiheit »die sozialistische Presse in Deutschland unterdrückt und der Partei innerhalb der Reichsgrenzen jede Gelegenheit zur öffentlichen Äußerung abgeschnitten worden ist«. Deshalb mußte die Zeitung »Der Sozialdemokrat«, die diese Klage führt, auch in Zürich erscheinen. Nun wissen wir ja schon aus der späteren Geschichte, daß Sozialisten nur solange für die Pressefreiheit kämpfen, bis sie selbst an der Macht sind. Trotzdem scheint gelegentlich der Eindruck zu entstehen, daß die SPD heutzutage so gezähmt und geläutert sei, daß sie nicht nur sich selbst, sondern auch Andersdenkenden das Recht auf freie Meinungsäußerung zugestehen würde. Dieser Eindruck kann aber durchaus täuschen. Denn wenn es darauf ankommt, benutzt die SPD — ebenso wie weiland Otto von Bismarck mit dem Sozialistengesetz — auch schon mal das Strafrecht, um unliebsame Meinungen zu unterdrücken. Meinungsfreiheit? Ja schon, aber doch nicht für andere Meinungen!
Osirak 2.0?
21. Juni 2010
Wie das Nachrichtenportal »Heute in Israel« meldet, hat in der vergangenen Woche eine Flotte von 11 amerikanischen und einem israelischen Kriegsschiff den Suezkanal in Richtung auf das Rote Meer passiert. Unter den Schiffen soll der Flugzeugträger »Harry Truman« mit 6.000 Marines und 60 Flugzeugen an Bord sein. Außerdem ist der israelische Verteidigungsminister Barak zu einem ungeplanten Besuch nach Washington geflogen. Unklar ist einstweilen, ob dies alles der Vorbereitung eines Militärschlages gegen den Iran dient. Der Iran hatte zuletzt Revolutionsgardisten angeworben, um zu versuchen, die israelisch-ägyptische Gaza-Blockade zu durchbrechen und eine Konfrontation mit der israelischen Armee zu provozieren. Da dies unter der Flagge des »Roten Halbmondes« geschehen soll, wäre dies ein eindeutiger Bruch des Völkerrechts und ein Kriegsgrund. Offensichtlich soll das Schema, das eine türkische Flotte zuletzt mit beachtlichem Propagandaerfolg erprobt hatte, auf eine neue Eskalationsstufe gehoben werden, um eine militärische Auseinandersetzung herbeizuführen.
Fuß-Baal?
16. Juni 2010

Ball oder Baal? Die Frage, ob man Fußball — zumindest, wenn er professionell betrieben wird — nicht eigentlich als Religion ansehen müßte, ist dieser Tage wieder besonders aktuell. Und grundsätzlich ist dies erst einmal ziemlich naheliegend. Man findet im Profifußball eine Menge Elemente, die man direkt mit Erscheinungen der etablierten Kirchen vergleichen kann. So gibt es liturgische Gewänder (Trikots), eine professionelle Priesterkaste (Spieler, Funktionäre), der ohne adäquate Gegenleistung ein weit überdurchschnittliches Einkommen zugestanden wird, Kultstätten (Stadien), einen angeschlossenen Devotionalienhandel. Bestimmte Gegenstände (signierte Bälle, Pokale z. B.) gewinnen Reliquiencharakter. Man spricht vom »Heiligen Rasen« und von »Heiligen des Fußballs«. Das Wort »Fan« kommt vom lateinischen »fanum« — Tempel, ein Fan(atiker) ist ein »von einer Gottheit ergriffener«. Es gibt Spezialwissen und eine Spezialterminologie wie in Mysterienkulten, die dazu dienen, die »Eingeweihten«, Dazugehörigen, von denen »draußen«, den anderen, abzugrenzen. Natürlich: Das sind nur Indizien, aber davon gibt es nicht eben wenige.
Die Milz im Safe des Erzbischofs — Organklau einmal anders
12. Juni 2010
Nun liegt es mir normalerweis ja fern, Aufklärer wie Lichtenberg zu citieren, aber wenn sie schon mal recht haben, so sei es denn:
»Ich glaube, man lästert den Namen Christi, wenn man die katholische Religion, so wie sie in Spanien und Portugal herrscht, unter die christlichen nennt.«
Wobei: Die Einschränkung auf Spanien und Portugal will mir nicht ganz einleuchten. Denn anderswo ist der Katholizismus schließlich auch nicht so viel unkatholischer. Es ist aber auch gar zu krude: Man stelle sich nur vor, daß jemand eine Religionsgemeinschaft gründen würde, die Toten innere Organe entnimmt, einweckt und versteckt, um diese Jahrzehnte später wieder hervorzukramen und öffentlich auszustellen, um eine große Zahl von Anhängern ebendieser Religion zu veranlassen, zu diesen Leichenteilen zu pilgern und diese zu verehren — und dann auch noch die Dreistigkeit besitzt, diesen absurden Götzendienst christlich zu nennen. Würde nicht jeder, der sich einen Rest geistlichen Verständnisses bewahrt hat, eine solche Gemeinschaft als occulte, nekrophile Sekte übelster Art bezeichnen? Würde man nicht an der geistigen Gesundheit zweifeln von jemanden, der solches praktiziert oder andere dazu anstiftet, solches zu praktizieren? Nun muß niemand eine solche Sekte gründen; es gibt sie schon, und nur deshalb, weil sie keine Neugründung eines geisteskranken Excentrikers ist, sondern seit Constantins Tagen bestens etablierte Realität, gibt es immer noch etliche, die ihr ihre Rolle als staatstragende »christliche« Gemeinschaft abkaufen.
Doch noch mal: Gaza
11. Juni 2010
Keine Angst: Dieses Blog wird nicht zum Politblog umfunktioniert. Aber die beispiellose Mediencampagne gegen Israel nach den Geschehnissen auf der »Mavi Marmara« hat mich veranlaßt, das Thema, das ich ja schon am 1. Juni und am 3. Juni kommentiert hatte, doch noch einmal aufzugreifen. Und Realitätsflucht ist ja ohnehin in erster Linie ein geistliches Thema.
Auf Krauthammers Artikel »Diese lästigen Juden« hatte ich ja schon verwiesen. Dieser erklärt, daß (und wie) jeder, aber auch wirklich jeder Versuch der Israelis, ihr bloßes Überleben zu schützen, systematisch delegitimiert wird.
Ein weiterer lesenswerter Artikel zum Thema findet sich auf der »Achse des Guten«. Leon de Winter schreibt dort über eine gewisse Inkonsequenz islamistischen Denkens:
Von dreien der neun getöteten Aktivisten auf der »Mavi« ist bekannt, dass sie sich wünschten, als Märtyrer zu sterben. Man sieht diese pathologische Prahlerei vom ersehnten Tod bei Islamisten häufiger. Sie posaunen herum, wie sehr sie nach der Märtyrerschaft dürsten. Werden sie dann von israelischen Kugeln getroffen, tragen Tausende blindwütiger, lautstark Rache fordernder Islamisten sie zu Grabe. Ein fröhliches Dankeschön an die Israelis, dass sie den Märtyrern beschert haben, was sie sich aus tiefstem Herzen wünschten — die Fahrkarte zu den 72 Jungfrauen im Paradies — bekommt man von den Mengen selten zu hören.
Wohlgenährt
6. Juni 2010
Seht die Flügler des Himmels an: Sie säen nicht, noch ernten sie, noch sammeln sie in Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie. Überragt ihr sie nicht bei weitem? (Mt. 6,26)
Ich sehe ja ein, daß der durchschnittliche Mitteleuropäer wenig Muße hat, Vögel zu beobachten. Ich habe mir gestern ein bißchen Zeit genommen für die Amseln, die hier gerade ihre Jungen füttern. Tatsächlich: Die Eltern landen abwechselnd und ziemlich zügig Futter in beeindruckender Vielfalt und Menge an.
Nach einer Gewöhnungsphase hatten sie mich trotz meiner miserablen Flugfähigkeiten als Freund der Familie akzeptiert, so daß ich ein paar Photos vom Mittagstisch in der Kinderstube machen durfte:


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Khaybar, Khaybar, oh Juden!
3. Juni 2010
Jetzt fehlt eigentlich nur noch, daß H.-C. Rößler in der F.A.Z. die türkische Organisation IHH mit der Behauptung citieren würde, die Israelis hätten den erschossenen »Friedensactivisten« illegal Organe entnommen und verkauft oder aus ihrem Blut Mazzen gebacken. Ansonsten werden ja schon alle möglichen Propagandamärchen von IHH und »Free Gaza« recht unkritisch wiedergekäut. Was ist nur aus dieser Zeitung geworden! Jeder, der sich mit den zugänglichen Informationen befaßt hat, weiß, daß die Israelis primär mit nichttödlicher Kunststoffmunition (Paintballwaffen [sic!]) ausgerüstet waren und nur zur Selbstverteidigung in lebensbedrohlichen Situationen eine Pistole mit scharfer Munition dabeihatten. In dem Moment, wo sie an Bord gehen wollten, wurden sie von einer Übermacht mit potentiell tödlichen Gerätschaften attackiert, teilweise mit Schußwaffen. Trotzdem citiert Rößler unter der reißerischen Überschrift »Blutbad auf Hoher See« die absurde Lüge:
Im Dunkel der Nacht seilten sich Soldaten eines Spezialkommandos auf das türkische Passagierschiff »Mavi Marmara« ab und begannen zu schießen, sobald sie an Deck waren. Sie schossen direkt in die schlafende Menschenmenge.
Nicht Hamburg, nicht Berlin — »Wer das Schwert ergreift …«
1. Juni 2010
Israel zeigt, daß es von bestimmten publikumswirksamen Inscenierungen nicht viel hält, und die deutsche Öffentlichkeit ist gespalten: Was ist nun eigentlich schlimmer an diesen Juden — daß sie sich vor der »Heiligen Lena der Deutschen« nicht verneigt und ihr bei irgendeinem Sangeswettstreit keine Punkte gegeben haben oder daß sie die Schiffe der sogenannten »Freedom Flotilla« mit militärischer Gewalt daran gehindert haben, die Seeblockade Gazas zu durchbrechen?
Der erste Casus hat ja schon zu den übelsten antisemitischen Beschimpfungen geführt, soll aber mangels Relevanz hier nicht weiter vertieft werden.
Fall zwo ist einiger Aufmerksamkeit wert:
Hier haben propalästinensische Activisten versucht, mit einigen Schiffen die Seeblockade Gazas publikumswirksam zu brechen. Nun besteht diese Blockade nicht zum Spaß, sondern soll verhindern, daß die Hamas auf dem Seewege Waffen ins Land schaffen läßt. Daß grundsätzlich auch »humanitäre Hilfslieferungen« benutzt werden, um Waffen zu schmuggeln, ist jedem klar, der die Menschen im allgemeinen und die Lage im Nahen Osten im besonderen kennt. Folglich war Israels faires Angebot: Fahrt nach Ashdod, löscht die Ladung, laßt sie auf Unbedenklichkeit kontrollieren und dann könnt Ihr die Lieferungen nach Gaza weiterbegleiten:
Citat des Tages XVII
26. Mai 2010
Er ist ein Gott, der alles seinem Willen entsprechend tut im Himmel, auf der Erde und unter der Erde. Er ist der Herr. … Selbst über die, die keinen Gott über sich anerkennen, ist er der Herr. Er ist der Herr über sie und ihr Besitzer. Weil er ihr Schöpfer ist. Er hat alle Dinge geschaffen und alle Dinge sind sein.
Oft höre ich Prediger sagen: Ihr müßt Jesus zum Herrn eures Lebens machen. Und ich bin hier heute da um euch zu sagen: Das müßt ihr nicht tun. Denn er ist bereits der Herr deines Lebens. Gott hat diesen Jesus, den Menschen gekreuzigt haben, zu beidem gemacht: Herrn und Christus. Ihr müßt ihn nicht zum Herrn machen. Ihr müßt euch einfach entscheiden, wie ihr auf seine Herrschaft antworten werdet. Was werdet ihr bezüglich dieser Wahrheit tun? Wie werdet ihr leben im Licht der Tatsache, daß Jesus Christus der Herr ist?
Paul Washer, gefunden auf »Unwise Sheep«
Zwischen allen Stühlen
21. Mai 2010
»Intelligent Design« (ID) ist, grob vereinfacht gesagt, eine Sichtweise auf die Entstehung des Lebens, die davon ausgeht, daß die Strukturen, die wir in der Natur vorfinden, bei weitem zu komplex sind, als daß sie durch Selektion — also so, wie dies Darwin nahelegt — entstanden sein könnten. Überspitzt gesagt: Die Wahrscheinlichkeit, daß durch Selektion eine so hochkomplexe Struktur wie z. B. ein Säugetier entstehen könnte, ist um Potenzen geringer als die Wahrscheinlichkeit, daß ein Hurrican über einen Schrottplatz fegt und dabei einen flugfähigen Airbus zusammensetzt.
So weit, so gut. Freilich sitzen die ID-Verfechter damit zwischen allen Stühlen: Kreationisten behagt nicht, daß zwar anerkannt wird, daß nur Intelligenz — also planvolles, zielgerichtetes Handeln — solche Strukturen hervorbringen kann, von ID jedoch keinerlei Aussagen dazu gemacht werden, welcher Art diese Intelligenz sei. Darwinisten wiederum sprechen dem Gedanken eines intelligenten Einflusses von vornherein jegliche Wissenschaftlichkeit ab, da allein die Voraussetzung eines übernatürlichen Eingriffes bei Entstehung des Lebens und der Arten nicht mit wissenschaftlichen Methoden überprüfbar sei (womit sie Intelligenz also von vornherein als »übernatürlich« definieren*, was die Frage provoziert, ob Darwinisten sich dann selbst als intelligente — und damit übernatürliche — oder doch lieber als natürliche — und damit unintelligente Wesen betrachten).



