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Archive - 2013 - Artikel
April 3rd
Zahl des Tages IV
3. April 2013
57
Nur noch ca. 57 Mädchen werden in der chinesischen Stadt Tianmen auf 100 Jungen geboren. Für dieses Mißverhältnis gibt es keine natürliche Ursache; die fehlenden Mädchen werden abgetrieben. Die Bestimmung des Geschlechts eines Kindes ist heute schon sehr früh zu Beginn der Schwangerschaft möglich.
März 27th
»Von der Sowjetunion lernen …« — Lyssenko und Schellnhuber
27. März 2013
Ein Samstagmorgen, Ende März. Nachdem ich mich mit dem Fahrrad durch letzte ungünstig auf dem Weg positionierte Schneehaufen gewühlt habe, stehe ich in schneidender Kälte beim Bäcker an. Dieser beherrscht noch die seltene Kunst, DDR-Brötchen zu backen, entsprechend lang ist die Schlange. Ich bin kurz davor, ins Tiefkühlkoma zu fallen und wärme mich an den Worten eines der obersten deutschen Klimawandel-Schamanen, Mojib Latif, der vor 13 Jahren im Spiegel prophezeit hatte: »Winter mit starkem Frost und viel Schnee wie noch vor zwanzig Jahren wird es in unseren Breiten nicht mehr geben.«
Latif ist Sohn des Ahmadiyya-Islam-Missionars Chaudhry Abdul Latif, und auch er ist ein religiöser Eiferer — freilich nicht in Sachen Ahmadiyya, sondern im Dienst der Klimareligion, als deren freundliches Aushängeschild er durch deutsche Talk-Shows tingelt. Und, wie eingangs gesehen, betätigt er sich nicht nur als Missionar, sondern auch als Prophet, wenn auch mit kläglichen Ergebnissen. Wahrscheinlich, wenn man ihn heute auf das Interview aus dem Jahr 2000 anspräche, würde er auf eines der wichtigsten Dogmen der Klimawandelreligion verweisen: Wenn es besonders kalt ist, ist das nur das Wetter, ist es aber mal besonders warm, ist das natürlich das Klima.
Für solche Unterordnung wissenschaftlicher Erkenntnisse unter die Wunschvorstellungen der Politik gibt es eine Bezeichnung: Lyssenkoismus. Die Wikipedia vermerkt: »Wer den Ausdruck heute benutzt, meint im breiteren Kontext die Kontrolle der Wissenschaft durch die Politik.«
Nun ja, Herr Fischer …
26. März 2013
Ulrich Fischer, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, beschwerte sich gerade in einem Interview, daß in Redaktionen »manchmal haarsträubende Unkenntnis« im Blick auf die Kirche herrsche. Zum Beispiel könne man in Berichten von der »Ordination evangelischer Priester« lesen oder einer »Messe zur Konfirmation«.
Nun ja. Formal mag Fischer mit seiner Unterscheidung von katholischem Priestertum und evangelischem Pfarramt ja recht haben, de facto ist aber der evangelische Klerikalismus dem katholischen Priestertum viel näher als dem biblischen — selbstverständlich nicht professionellen — Hirtendienst. Schließlich liegen die Wurzeln des Pfarramtes ganz unstrittig im katholischen Priestertum, und in der evangelischen Vorstellung, daß das Darreichen des Abendmahles Sache eines ordinierten Pfarrers sei, feiert die katholische Irrlehre vom Priester als Mittler zwischen Mensch und Gott fröhliche Urständ, auch wenn man Sprachregelungen gefunden hat, dies mit theologischen Spitzfindigkeiten zu überblenden.
März 21st
Zahl(en) des Tages III
21. März 2013
72
13
72 % der Deutschen halten es für absolut inakzeptabel, Müll im Wald abzuladen. 13 % der Deutschen halten Abtreibung für absolut inakzeptabel.
März 16th
Trügerische Waagschalen · Teil II
16. März 2013
»Waagschalen des Trugs sind Jahweh ein Greuel, aber ein vollkommener Gewichtsstein findet sein Wohlgefallen.« (Spr. 11, 1)
Ein ehrlicher Handel sollte immer zu einem fairen Interessenausgleich zwischen Käufer und Verkäufer führen. Seit Waren und Geld getauscht werden, hat es aber immer wieder Händler gegeben, die das ausgehandelte Gleichgewicht möglichst unbemerkt zu ihren Gunsten verschieben wollten. Ein Kaufmann, der den Gewichtsstein der Waage nur ein wenig leichter macht, als er sein müßte, liefert jedem Kunden eine unauffällige Mindermenge aus, insgesamt profitiert er aber sehr viel.
Das alttestamentliche Gesetz verbietet Manipulationen an Längen-, Volumen- und Gewichtsmaßen ausdrücklich: »Nicht tut ihr Arg in der Richtigung[G], im (Längen-)Maß, im Gewicht und im Meßgefäß.
Waagschalen der Gerechtigkeit, Gewichtssteine der Gerechtigkeit, Ejphah* der Gerechtigkeit und Hin* der Gerechtigkeit sollt ihr haben. Ich bin Jahweh, euer Elohim, der ich euch herausgehengemacht hat aus dem Erdland Mizrajim.« (3. M. 19, 35f). Denn anders als bei einem Gelegenheitsdieb ist das ganze Handeln des Gewichtsfälschers betrügerisch. Den größten Schaden richtet er dadurch an, daß im gesamten Markt das Grundvertrauen in die Fairness des Warentauschs beschädigt wird. Ein Handschlag gilt nicht mehr uneingeschränkt als verläßlich, und jeder Marktteilnehmer versucht sich gegen seine Handelspartner abzusichern. Die Warentransaktionskosten steigen weit über den ursprünglichen Schaden hinaus, den die falschen Gewichte verursacht haben, weil sie nun auch die Kosten für Kontrolle und Rechtspflege beinhalten müssen. Aus Geschäftspartnern, die gern miteinander Waren tauschten, werden argwöhnische Gegner.
März 10th
Trügerische Waagschalen · Teil I
10. März 2013
»Waagschalen des Trugs sind Jahweh ein Greuel, aber ein vollkommener Gewichtsstein findet sein Wohlgefallen.« (Spr. 11, 1)
Diese salomonische Feststellung bezieht sich auf die Aussage in der Torah: »Nicht tut ihr Arg in der Richtigung[G], im (Längen-)Maß, im Gewicht und im Meßgefäß.
Waagschalen der Gerechtigkeit, Gewichtssteine der Gerechtigkeit, Ejphah* der Gerechtigkeit und Hin* der Gerechtigkeit sollt ihr haben. Ich bin Jahweh, euer Elohim, der ich euch herausgehengemacht hat aus dem Erdland Mizrajim.« (3. M. 19, 35f)
Daß Rechtspflege und Maßhaltigkeit hier in einen Zusammenhang gestellt werden, ist kein Zufall. Recht ist etwas, das vom Gesetzgeber zugemessen und von Richtern abgewogen wird. Rechtssetzungen sind buchstäblich Maß-Stäbe, die an die Handlungen der Menschen angelegt werden. Das Maßhalten ist ein wichtiges Prinzip, das sich durch das biblische Rechtssystem zieht; es wird zum Beispiel sichtbar, wo der Grundsatz »Auge für Auge, Zahn für Zahn« eine maßlose, unverhältnismäßige Rache verbietet, die womöglich als Sühne für den Verlust eines Auges oder eines Zahnes ein Menschenleben gefordert hätte. So ist es naheliegend, daß die Waage in verschiedensten Kulturen und Zeiten als Symbol der Rechtsprechung dient.
März 6th
Nur mal angenommen, das stimmte …
6. März 2013
Die offizielle Statistik für 2012 weist einen Rückgang der Abtreibungen in Deutschland um 1,9 Prozent auf 106.800 aus. Nur mal kurz angenommen — wofür nicht allzuviel spricht — daß diese Statistik stimmte, dann entspräche diese Zahl immer noch der vollständigen Ausrottung von Erlangen. Und von Jena im nächsten Jahr. Und von Fürstenfeldbruck im Jahr darauf. Und dann Trier. Moers. Cottbus. Koblenz. Siegen. Hildesheim. Salzgitter … Jedes Jahr eine Stadt ausgelöscht. Ich hoffe, das macht die drögen Zahlen der Statistik etwas anschaulicher.

Abb.: Cottbus. Na gut, sonderlich schön ist es nicht wirklich. Aber deshalb gleich ausrotten? Das wäre doch nun wirklich übertrieben.
März 2nd
Kolumne mit Paukenschlag
2. März 2013
Kennen Sie die »Symphonie mit dem Paukenschlag«? Hartnäckig hält sich die Legende, Haydn hätte die Komposition bewußt so angelegt, daß die Zuhörer, die im ersten Satz eingeschlafen sind, im zweiten von einem unerwarteten Fortissimo des Orchesters unsanft wieder aufgeweckt würden. Er selbst hat diese Absicht freilich bestritten. Wenn man aber will, kann man einen vergleichbaren Effekt auch ganz ohne Orchester erreichen, zum Beispiel, indem man ihn in einen Text hineinbastelt. Aber ich will der Reihe nach erzählen:
Februar 21st
Hüter des Unkrauts
20. Februar 2013
Das evangelische Nachrichtenmagazin idea Spektrum äußert sich in letzter Zeit auffallend häufig auffallend freundlich zum Katholizismus und hat es sich auch nicht nehmen lassen, den scheidenden Papst mit »10 großen Worten« aus seiner Amtszeit zu feiern. Unter anderem eines aus dem Jahr 2005:
»An der Kirche kann man sehr viel Kritik üben. Wir wissen es, und der Herr hat es uns gesagt: Sie ist ein Netz mit guten und schlechten Fischen, ein Acker mit Weizen und Unkraut.«
Der Herr hat gesagt? Moment mal, was bitte hat Jesus denn wirklich gesagt?
Februar 16th
Geierismen XII: Über gesetzeskonforme Gesetzlosigkeit
16. Februar 2013
Die schlimmsten Frevler, die mir begegnen, können sich für ihr Tun auf geltende Gesetze berufen.




