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Chawah war nie im Garten Eden — oder: Das generische Maskulinum und die Schöpfungsordnung

25. Juni 2013

 

Wie sich die Zeiten ändern: Vor zwei Jahrzehnten wurde Leipzig wegen seiner Bedeutung für die Beseitigung der SED-Herrschaft noch respektvoll als »Heldenstadt« apostrophiert, heute ist die Stadt wegen einer beispiellosen Provinzposse zum Gespött der Nation geworden. Schuld ist die hiesige Universität, die sich wohl auf ihre Vergangenheit als »Karl-Marx-Universität« besonnen hat und meint, ohne Not ein Revolutiönchen vom Zaune brechen zu müssen: Die Einführung des »generischen Femininums«.

Für diejenigen Leser, die Sprache einfach so benutzen, ohne sich groß Gedanken über deren grammatische Struktur zu machen, sei kurz erklärt, um was es geht: Es gibt im Deutschen das sogenannte »generische Maskulinum«, ein grammatisches Constuct, das auf Personengruppen unbekannten oder verschiedenen Geschlechts bezogen ist. Grammatisch ist es männlich, tatsächlich ist es unbestimmt: Wer von den Lehrern einer Schule spricht, meint damit eben alle Lehrer ungeachtet ihres physischen Geschlechtes, wer von den Studenten einer Universität redet, meint natürlich männliche und weibliche gleichermaßen. Das generische Maskulinum ist also eine geschlechtsneutrale Sammelbezeichnung, und da im Deutschen der Genus (das grammatische Geschlecht) ohnehin nicht in jedem Falle mit dem Sexus (dem biologischen Geschlecht) zusammenfällt — man denke nur an das Mädchen und die Mannschaft — hat auch die grammatische Verallgemeinerung, die das generische Maskulinum mit sich bringt, niemanden gestört, bis ca. in den Siebzigern des vorigen Jahrhunderts überspannte Kleingeister den Gedanken entwickelten, daß das generische Maskulinum diskriminierend sei, da bei all den Beamten, Wanderern, Brandstiftern, Mördern, Radfahrern und Brillenträgern die weiblichen jeweils nur »mitgemeint« seien, ohne aber ausdrücklich bezeichnet zu werden. Es wurde behauptet, das generische Maskulinum sei ein patriarchalisches Unterdrückungsinstrument zur Marginalisierung der Frau. Wie gesagt: Der deutsche Genus folgt nicht gerade den Regeln der Logik, es ist weder einsichtig, warum das Messer sächlich, die Gabel weiblich, der Löffel aber männlich sein soll, noch warum der grammatisch männliche Tisch ein sächliches Bein hat. Aber der Diskriminierungsvorwurf, so absurd er auch ist, ließ sich, einmal erhoben, nicht mehr aus der Welt schaffen, und ein großer Teil der Sprachgemeinschaft läßt sich seitdem von ein paar ideologisch verblendeten Feministen (beiderlei Geschlechts, natürlich) am Nasenring durch die Manege führen.

Rückblick 1. Lesertreffen

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