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Krisenfest
21. Dezember 2009
Wenn eine kleine Krise sich zu einer großen auswächst, dann bedeutet das manchmal nichts anderes, als daß eine Lösung näherkommt.
Fremde Federn: Knopf im Ohr
26. November 2009
Der folgende Artikel erscheint mit freundlicher Genehmigung des Autors Adrian Michael Schell. Er ist urspünglich am 10. November auf dessen Blog erschienen. Adrian Michael Schell ist Buchhändler und seit Oktober 2005 in der Ausbildung zum Rabbiner am Abraham Geiger Kolleg in Berlin und an der Universität Potsdam. Er betreut die Kolumne »Ask the Rabbi« auf haOlam.de
Tätowierungen — Ein neuer Kult?!
Ich mag Tätowierungen und Piercings nicht. Vielleicht bin ich an der Stelle ein wenig altmodisch, aber ich finde, dass unsere Körper ihren eigenen Reiz haben und dass Tätowierungen oder auch Pircings diesen eher entzaubern als verstärken. Vielleicht schwingt in meiner Abneigung auch eine biblische Tradition mit, die sich aus einem klaren Verbot von Einschnitten in die Haut und Tätowierungen ergibt. Es handelt sich im Konkreten um einen Vers aus dem dritten Buch Mose (Vajikra), Kapitel 19:28:
„Und Einschnitte um einen Toten sollt Ihr nicht machen in Euren Leib, und Ätzschriften sollt Ihr an Euch nicht machen. Ich bin der Ewige.“
Bevor wir zu leichtfertig eine Handlung durch die Bibel bestätigen oder ablehnen, sollten wir genau hinschauen. Warum steht der Text genauso in der Heiligen Schrift? Was könnte der Grund dafür sein, dass sich ein biblisches Gebot für oder gegen eine Sache ausspricht?
Fremde Federn: Natürliche Immunisierung besser als Impfung
25. November 2009
Eine niederländische Studie legt den Schluß nahe, daß eine natürliche Immunisierung durch eine überstandene Grippeerkrankung nicht nur deutlich wirksamer ist als eine Impfung, sondern eine Impfung diesen natürlichen Schutz auch verhindern und dadurch mehr Schaden als Nutzen stiften kann.
Martina Lenzen-Schulte schreibt hierzu in der F.A.Z.:
Unter dem Gesichtspunkt des Immunschutzes sei nichts besser als eine Durchseuchung einer Population mit dem echten Erreger, dem Wildtyp-Virus. …
An Mäusen konnten die Rotterdamer Forscher nun zeigen, wie hilfreich eine durchlebte ungefährliche Grippe ist, wenn man es danach mit hoch pathogenen, gefährlichen Vogelgrippeviren zu tun bekommt. Ungeimpfte Mäuse, die eine Variante der Influenza A (H3N2) — von einem saisonalen Grippevirus verursacht — durchgemacht hatten, waren besser geschützt: Sie wurden nach einer sonst letalen Dosis von Vogelgrippeviren (H5N1) seltener krank und starben nicht — im Gegensatz zu den gegen die Influenza A (H3N2) geimpften Mäusen.
Toleranz
4. November 2009
Wir leben in einer Gesellschaft, in der Kindern frühzeitig beigebracht wird, daß Toleranz eine Tugend sei. Ob dies aber wirklich so ist, hängt immer davon ab, was denn da toleriert wird. Oft ist die nach außen zur Schau getragene Toleranz der politisch Korrekten [G] nichts anderes als eine bequeme Konfliktvermeidungsstrategie.
Es gibt auch eine ganz andere Sicht auf die Dinge, zum Beispiel die des Technikers, der weiß, daß Toleranz eine Abweichung von einer Idealnorm ist. Ein Maschinenteil, das Toleranzen aufweist, wird irgendwo schleifen und Probleme verursachen, zumindest höheren Energieverbrauch, vielleicht auch ernsthafte Störungen des Ablaufes. Sind die Toleranzen zu groß, kann man es gar nicht einpassen und es wird völlig unbrauchbar. So ist es auch mit dem Menschen: Weist er zu große Toleranzen — also Abweichungen vom göttlichen Ideal — auf, läßt er sich nicht mehr in die menschliche Gesellschaft einpassen. Man spricht dann von Asozialität. Weist eine ganze Gesellschaft mehrheitlich zu große Toleranzen gegenüber dem biblischen Normativ auf, hat man eine dekadente, untergehende Civilisation.
Auch Thomas Mann sei hier angeführt, der gesagt hat, daß Toleranz zum Verbrechen wird, wenn sie dem Bösen gilt.
… kein Wunscherfüllungsautomat
2. November 2009
Gerade wurde ich auf die Problematik der richtigen Übersetzung von Ps. 37, 4 hingewiesen. Luther übersetzt hier:
»Habe Deine Lust am HERRN; der wird dir geben, was dein Herz wünschet.«
Diese Übersetzung erweckt nun den Eindruck, als hätte Gott zugesagt, beliebige Herzenswünsche zu erfüllen. Besser übersetzt hier aber die Elberfelder:
»… und ergötze dich an Jahwe: so wird er dir geben die Bitten deines Herzens.«
und in der Dabhar lesen wir:
»Und behage dich auf JHWH, und er gibt dir die Erfragten deines Herzens.«
Die letztgenannten Übersetzungen legen eher den Schluß nahe, daß es Jahweh ist, der überhaupt erst einmal die (richtigen) Wünsche des Herzens in uns bewirkt. Das ist doch ein deutlich anderer Schwerpunkt als der durch die Lutherübersetzung implizierte. In diesem Licht erscheinen auch die neutestamentlichen Parallelaussagen viel schlüssiger, die dem Leser hiermit zum Selbststudium anempfohlen seien:
Mt. 7, 7f
Joh. 9, 31
Joh. 14, 13
1. Joh. 3, 22
1. Joh. 5, 15
Geierquiz
13. Oktober 2009
Im Frühjahr hatte ich eine Geiernotiz geschrieben und mit einem Bild illustriert, das eine Schulklasse im Schulmuseum zeigt. Auf dem Bild ist auch eine Tafel zu sehen, auf der mit Kreide ein Vierzeiler angeschrieben steht — in deutscher Schreibschrift. Die Quizfrage ist: Wie lauten die Verse?
Zu gewinnen gibt es ein halbes Dutzend Geier-Wanduhren:

Wer teilnehmen möchte, sende mir über das Kontaktformular den richtigen und vollständigen Reim und eine Versandanschrift in Deutschland*. Gibt es mehr als sechs richtige Einsender, werden die Uhren unter diesen verlost. In einer Woche ist das Quiz beendet, dann gibt es hier die Auflösung.
Datenschutz: Die Gewinner werden natürlich nicht bekanntgegeben, die Adressen nach dem Versand vernichtet.
* Nur zur Sicherheit, weil das beim letzten Mal Irritationen gab: Nein, Österreich und die Schweiz gehören nicht zu Deutschland.
Wie die Zeit vergeht! Da hätte ich doch beinahe die versprochene Auflösung vergessen. Hier ist sie: Der Artikel, in dem das Bild zu finden ist, befindet sich an dieser Stelle, und der Spruch heißt:
Shana tova!
18. September 2009
Mit dem heutigen Sonnenuntergang hat das jüdische Neujahrsfest begonnen. Und wenn sich niemand verzählt hat, ist es nun 5770 Jahre her, daß die Erschaffung des gegenwärtigen Kosmos zu einem Abschluß gekommen ist. Zwar hat diese Welt seitdem einige ernsthafte Blessuren abbekommen, aber es ist immer noch recht deutlich zu sehen, wie wunderbar alles einmal angelegt war, bevor es der Herrschaft der Verfehlung unterworfen wurde. Grund genug, sich auf die kommende Schöpfung zu freuen:
Aber neue Himmel und ein neues Erdland gemäß seiner Verheißung erhoffen wir, in denen Gerechtigkeit wohnt. (2. Petr. 3, 13)
Ich wünsche allen Lesern ein gutes neues Jahr mit Blick auf diese Zukunft.
Photo: © Geier
Milchmädchenrechnung
27. Juli 2009
Die Herkunft des Begriffs »Milchmädchenrechnung« ist nicht endgültig geklärt. Als Ursprung wird vielfach die gereimte Fabel »Die Milchfrau« von Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719 — 1803) angenommen, die wiederum auf die Dichtung »La Laitière et le Pot au Lait« (»Die Milchfrau und die Milchkanne«) des französischen Dichters Jean de La Fontaine (1621 — 1695) zurückgeht.

Fundamentalismus mal wieder
9. April 2009
Nein, dies wird jetzt keine wissenschaftliche Wortanalyse, aber erstaunt war ich doch, was so alles zum Vorschein kommt, wenn man das Wort »Fundamentalismus« einmal seciert: Da haben wir:
Fun (englisch: Spaß)
Fund
Fundament
und
Dame
amen
mental
Talis (griechisch: Braut)
Mus
Läßt man sich einfach einmal von diesen Begriffen inspirieren, sieht man gleich, daß es verschiedene Arten von Fundamentalismus gibt, was auch nicht verwundern kann, da es ja gem. Mt. 7, 24ff offensichtlich auch verschiedene Arten von Fundamenten gibt:
»Jeder nun, der irgend diese meine Worte hört und sie tut, den werde ich einem klugen Manne vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute;
und der Platzregen fiel hernieder, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stürmten wider jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf den Felsen gegründet.
Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, der wird einem törichten Manne verglichen werden, der sein Haus auf den Sand baute;
und der Platzregen fiel hernieder, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel, und sein Fall war groß.«
Telephon vs. Lebenspartner
3. März 2009
Deutsche setzen klare Prioritäten.
Das Innere eines deutschen Funktelephons. Irgendwo dort drinnen muß eine geheimnisvolle Quelle unwiderstehlicher Erotik verlötet sein.
Anläßlich der Rechnermesse Cebit hat der Branchenverband Bitkom eine Umfrage unter 1.000 Personen veranstaltet und dabei festgestellt, daß bei den Unter-30jährigen sich zwar 97 Prozent kein Leben ohne Funktelephon, 84 Prozent kein Leben ohne Internet und 64 Prozent kein Leben ohne Auto vorstellen können, aber nur 43 Prozent kein Leben ohne ihren »aktuellen Lebensgefährten«, (was auch immer dies bedeutet).



